"Alles Licht das wir nicht sehen" von Anthony Doerr

03.09.2015 17:40

 „Alles Licht das wir nicht sehen“, ein Buch das mir vor kurzer Zeit auf Facebook empfohlen wurde. Daraufhin habe ich mir die Leseprobe auf Amazon angesehen, und musste es gleich bestellen. Aus Neugier auf das Buch habe ich mir den Artikel der SZ durch gelesen. Das Buch das mich so neugierig auf sich gemacht hat, hat 519 Seiten und ist im C. H. Beck-Verlag erschienen.

 

Inhalt:
Die blinde Marie-Laure flieht mit ihrem Vater vor den Deutschen 1944 von Paris nach Saint - Malo, einer Küstenstadt in Frankreich. Dort finden sie Unterschlupf bei ihrem kauzigen, alten Onkel. Mit im Fluchtgepäck, haben sie den wichtigsten Schatz des „Muséum National d’Histoire Naturelle“, dort war Marie-Laure´s Vater in der Schlüsselausgabe angestellt.

Die deutsche Waise Werner Hausner interessiert sich für alles was Technisch ist. Auf seine Begabung wird auch die Wehrmacht aufmerksam, auf Umwegen bekommt er seinen Einberufungsbefehl. Er muss Sender feindlicher Widerstandskämpfer ausfindig machen. So kommt er auch nach Saint - Malo, wo er den Sender zerstören soll, der die Résistance mit wichtigen Informationen versorgt. Zur selben Zeit bangt Marie-Laure um ihren Vater, der von den Deutschen verschleppt wurde, …

 

Meine Meinung:
„Alles Licht das wir nicht sehen“ ist ein Buch das mir schon auf den ersten Seiten den Atem geraubt hat. Neben der wirklich tollen Geschichte ist auch der Schreibstiel etwas besonderes. Es gibt viele Kapitel die sind nicht mal eine Seite lang, das längste Kapitel hatte, glaube ich, zehn Seiten. Trotz dieser Kürze schafft es Anthony Doerr ganze kleine Geschichten zu erzählen, in einer klaren, sehr bildhaften Sprache. Es wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, die aber gut von einander abgegrenzt sind. In den jeweiligen Zeitebenen werden die Erlebnisse von Marie-Laure und Werner abwechselnd geschildert. Ab und zu ist auch mal ein anderer Protagonist und seine Erlebnisse dabei. Die Erzählform entspricht dem Allwissenden Erzähler, was für dieses Buch sehr gut gewählt ist, denn alles andere würde meiner Meinung nach zu übertrieben wirken.
Marie-Laure ist eine sehr besondere Protagonisten, die trotz ihrer Blindheit einen Weg findet Wiederstand zu leisten. Sie ist mir durch ihre sensible, wissbegierige Art sehr schnell ans Herz gewachsen. Positiv möchte ich an dieser Stelle noch erwähnen, das es Anthony Doerr gelungen ist, bei Marie -Laures Kapiteln ein buntes Bild zu erschaffen, ohne das er einmal schreibt sie sieht, nein Marie-Laure fühlt, schmeckt, riecht und hört.
Mit Werner habe ich habe ich mich manchmal etwas schwerer getan, besonders dann wenn es um Mathe und Technik ging, aber im selben Moment hat mich auch wieder seine Begeisterung angesteckt. An vielen Stellen vielen mir auf wie feinfühlig Werner ist. Der Junge ist ein Beispiel dafür, wie es war in der Zeit aufzuwachsen, in der H. an der Macht war und welche Sogwirkung das alles auf junge Menschen gehabt haben muss. Das ist auch der Punkt wo der Perspektivwechsel sehr interessant ist. Marie-Laure die mit der Angst und dem Wissen aufwächst was wirklich passiert. Und Werner der lange Zeit nur die Traumwelt Drittes Reich kennen lernt. Was die beiden unterschiedlichen Protagonisten trotzdem verbindet müsst ihr selber lesen.

 

Meiner Meinung nach hat Anthony Doerr den Pulitzer-Preis 2015 für Literatur zu recht erhalten. (Und wieder mal bin ich gegen die Süddeutsche, *seufz*). Besonders das in der Handlung, nicht die amerikanischen Befreier im Vordergrund stehen, sondern ein französisches Mädchen und ein deutscher Junge, die schnell in den Irrungen und Wirkungen des Krieges erwachsen werden müssen, lässt Anthony Doerr zum idealen Erzähler des Romans werden.
Ein Roman, der einem das Gefühl gibt du darfst die Hoffnung niemals aufgeben, es gibt überall Licht, auch wenn wir es nicht immer sehen.

 

Links zum Buch:
C.H. Beck-Verlag: "Alles Licht das wir nicht sehen"
Amazon: "Alles Licht das wir nicht sehen"
Zeitungsartikel Süddeutsche Zeitung: "Krieg ohne Schlacht"