"Am Ende bleiben die Zedern" von Pierre Jarawan

28.04.2016 15:28

Als ich im April die großartige Lesung zu „Am Ende bleiben die Zedern“ in der Buchhandlung Ocelot besuchte, haben mich die vorgelesenen Textstellen schon sehr beeindruckt. Der Roman selber ist im März 2016 im Berlin Verlag erschienen und hat 448 Seiten.

Inhalt:
Samirs Eltern fliehen kurz vor seiner Geburt aus dem Libanon nach Deutschland. Samir liebt seinen Vater und die Geschichten, die er ihm erzählt. Als Samir 8 Jahre alt ist verschwindet sein Vater spurlos. 20 Jahre später macht er sich auf den Weg in den Libanon um dort seinen Vater zu finden. Dabei muss er feststellen, das so manche Geschichte wahrer ist, als Samir bisher geglaubt hat.

Meine Meinung:
Von dem ersten Satz an nimmt einen dieser Roman gefangen und lässt einen selbst nach dem Lesen schwer wieder los. Die Sprache ist bunt, vielfältig und einzigartig. Das der Autor ein bekannter Poetry Slammer ist, merkt man seinem Debütroman, im positiven Sinne, deutlich an. Er schafft sprachliche Bilder, die sich mir eingebrannt haben und schafft es somit die Unsicherheit und Verzweiflung, die Samir durchmacht dem Leser nahe zu bringen. Die Erzählperspektive in der Ich-Form tut sein übriges. Wir lernen nicht nur den, von verständlichen Selbstzweifel geprägten Samir kennen, der trotz seiner eigenwilligen Art gut nachvollziehbar ist, sondern auch sehr viele andere Wegbegleiter. Bei denen hatte ich das Gefühl sie schon ewig zu kennen.
In drei, sehr geschickt gewebten Teilen erfährt der Leser, warum es zu dem verschwinden seines Vater gekommen ist. Im ersten Teil erleben wir die guten ersten acht Jahre mit dem Vater. Den größten Anteil des Buches nimmt der zweite Teil ein. In abwechselnden Kapiteln begleiten wir Samir auf seiner Spurensuche im Libanon und erfahren über seine Kindheit, Jugend ohne den geliebten Vater. Der dritte Teil spielt komplett in der Gegenwart.
Pierre Jarawan schafft es von der ersten Seite an eine Geschichte zu erzählen, die mehr einem Krimi gleicht, als einem Buch über Familien Geheimnisse. Dem großen Spannungsbogen unterliegen viele kleine Spannungsbögen, die den Leser mitnehmen in die wechselvolle, politische Geschichte des Landes. Für alle die Angst haben, die Handlung auf Grund der politischen Ereignisse nicht zu verstehen, die kann ich beruhigen. Pierre Jarawan erklärt zwischendurch gutverständlich welche Auswirkungen diese noch Heute haben und was es bedeutet in einem Land zu leben in dem es seit Jahrzehnten immer wieder zum Krieg kommt. Zu dem enthält das Buch hinten ein Glossar, in dem die Historie zusammengefasst ist. Aber er erklärt so auch ein Phänomen, welches wir grade in Deutschland häufig beobachten, das selbst Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht in ihrem ‚Heimatland‘ geboren sind, sehr in diesem verwurzelt sind und wie sich dies auf ihr Leben auswirkt. 

Piere Jarawan schafft es in „Am Ende bleiben die Zedern“ ein reales, farbenprächtiges Bild eines kleinen Jungen zu malen, der auf der Suche nach seinem Vater, ohne dabei den Libanon zu beschönigen. Ein Buch dem es nicht an Aktualität fehlt. Wer einen Krimi, einen Lehrroman und eine ergreifende Familiengeschichte in einen haben will, der muss das Buch lesen.

 

Links zum Buch:
Berlin Verlag: „Am Ende bleiben die Zedern
Amazon: „Am Ende bleiben die Zedern
Buchtrailer: „Am Ende bleiben die Zedern
Lesungsort: Buchhandlung Ocelot
Mein Bericht: Sieben Tage drei Lesungen
Facebook: Pierre Jarawan