Becks letzter Sommer von Benedict Wells

14.09.2016 15:45

Nachdem mir der neuste Roman von Benedict Wells ‚Vom Ende der Einsamkeit‘ so gut gefallen hat, wollte ich einfach nur noch mehr von ihm lesen. Aus diesem Grund griff ich zu einem seiner ersten Werke. ‚Becks letzter Sommer‘ hat in der nicht neu überarbeiteten Version, im Taschentuchformat 464 Seiten und ist im November 2009 im Diogenes Verlag erschienen.

 

Inhalt:
Beck ist Musiklehrer, mit einer gescheiterten Musikkarriere. Er ist mit seinem Leben sehr unzufrieden. Dies scheint sich zu ändern als er in seiner Klasse Rauli Kartas entdeckt, ein wahres Musikgenie und ein echter Textkünstler. Beck entschließt sich dazu sich den Jungen anzunehmen, um so vielleicht doch noch einen Fuss in das Musikbusiness zu bekommen. Es folgen viele große und kleine Lügen und ein irrer Roadtrip nach Istanbul.

 

Meine Meinung:
Trotz das der Roman einer der Ersten ist, welcher der Autor veröffentlicht hat merkt man ihm schon das Können an. Besonders wenn man sich die Figuren ansieht. Alle Figuren sind absolut 3D gezeichnet und haben ihre Ecken und Kanten. Robert Beck selber ist ein Typ, den man in Berlin (oder München) in einer Kneipe treffen könnte. Ein sehr sympathischer Typ. Rauli hingegen ist der mysteriöse Teenager, bei dem man nie ganz weiß ist es nun wahr was der Junge erzählt oder nicht. Als Leser hatte ich das Gefühl Rauli nicht so ganz greifen zu können, immer wenn ich dachte jetzt habe ich das Kind durchschaut, dann passiert eine unvorhersehbare neue Wendung. Auch alle anderen Figuren sind einfach sehr gut eingefangen. Wells kann einfach Figuren zum Leben erwecken. So das auch die Geschichte sehr ungewöhnlich wird.

Trotzdem hat mir der Aufbau nicht ganz so zugesagt. Dieser ist an Tape angelehnt, mit Klappentext, Unterteilung in verschiedene Tracks und noch einen Bonustrack.
Verschiedene Erzählperspektiven, welche sehr oft wechseln, größtenteils wird Beck Geschichte aus der Sicht eines allwissenden Erzählers berichtet. Dann schaltet sich jedoch ab und zu ein Erzähler, welcher aus der Ich-Perspektive erzählt und dabei auch den Leser anspricht. Dieser Erzähler unterzeichnet mit Ben, ob sich Benedict Wells damit selber in seinen Roman geschrieben hat? Und der dritte Erzählstil sind sehr kurze Dialoge, welche den Text unterbrechen.
Alle diese Wechsel erinnern mich stellenweise an eine Art Schreibübung oder an ein Sich-Ausprobieren und störten so meinen Lesefluss etwas. Völlig gestört hat mich der Bonustrack, dieser war für meinen Geschmack überflüssig.

‚Becks letzter Sommer‘ verbindet, trotz seiner Kritikpunkte, großartige Figuren mit einer absolut eigenwilligen Handlung. Wer ‚Vincent‘ von Joey Goebel gelesen und gemocht hat, der muss ‚Becks letzter Sommer‘ lesen. Einfach eine tolle Geschichte über den Wunsch seine Träume nicht aufgeben zu müssen. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Wells.

 

Links zum Buch:
Diogenes Verlag: ‚Becks letzter Sommer
Genialokal: ‚Becks letzter Sommer
Rezension: ‚Vom Ende der Einsamkeit‘ von Benedict Wells
Rezension: ‚Vincent‘ von Joey Goebel