Das Labyrinth der Lichter von Carlos Ruiz Zafòn

28.04.2017 10:04

Er ist endlich da, der vierte Teil und damit mein langersehnter Abschluss der Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher. Um dies genügend zu ehren und zu feiern war ich auf der Lesung am 06. April im Prater in Berlin. Es war einfach nur unfassbar grandios, das Universum um den bekannten Buchfriedhof live zu erleben. Die Lesung hatte sehr viel von einem Schreibworkschop. Carlos Ruiz Zafón sagt ein Buch zuschreiben ist wie ein Musikstück für ein Orchester zu komponieren, jedes Instrument muss am richtigen Platz sein und sehr gut gespielt werden um, im Zusammenspiel mit den anderen Instrumenten eine Geschichte zu erzählen. Der Zuhörer kann oft nicht die einzelnen Komponenten unterscheiden, vielmehr kommen die Gefühle durch die Gesamtheit aller zustande. Wer sich jetzt fragt warum der Autor die Metapher mit der Musik gewählt hat, der muss wissen, das Zafón zu seinen Romanen bzw.Figuren auch mal das ein oder andere Musikstück komponiert. Eine passende Seite verlinke ich weiter unten.
Der vierte und letzte Teil hat bei weitem die meisten Seiten. Um genau zu sein 944 Seiten und ist im März 2017 im S.-Fischer-Verlag erschienen.

 

Inhalt:
Spanien in den Tagen des Franco-Regimes: Ein streng geheimer Auftrag für Alicia Gris von Madrid zurück in ihre Geburtsstadt Barcelona. Sie soll das Verschwinden von Minister Valls aufklären. Dieser war zu vor Direktor im Montjuïc Gefängnis. In seinem Besitz befindet sich das geheimnisvolle Buch ‚Das Labyrinth der Lichter‘, das irgendwie mit Alicias Vergangenheit verknüpft ist und sie in die Buchhandlung Sempere und Söhne führt. Dort trifft sie Daniel und Familie, aber auch Fermin de Torres, ein Mann der eng mit ihrem eigenen Leben verknüpft ist. Umso tiefer Alicia im Dreck wühlt, umso gefährlicher wird es für sie und alle die ihr etwas bedeuten. Die Jagd nach der Wahrheit beginnt …

 

Meine Meinung:
Auch wenn der Autor sagt man könnte mit jedem Roman in das Universum des Friedhofs der vergessenen Bücher eintauchen, da jede Geschichte grob in sich abgeschlossen ist, möchte ich zur Vorsicht eine Spoilerwahrnung für die anderen drei Romane aussprechen.

Zafón ist und bleibt mein unangefochtener Herzensautor. Ich mag und kann seine Werke immer und immer wieder lesen, so ist es auch mit dem ‚Labyrinth der Lichter‘. Ich muss zugeben, ich habe in Vorbereitung zu dieser Rezension, das erste mal den Klappentext gelesen und bin überrascht wieviel bereits verraten wird. Ich rate euch lasst einfach so in das Buch fallen, ihr werdet es nicht bereuen.
Die düstere, spannende, dichte und emotionale Atmosphäre hat mich wieder sofort in das Barcelona des Franco-Regimes abtauchen lassen. Ich habe besonders langsam gelesenen um die Zeit mit diesem Roman besonders zu genießen. Mit Alicia Gris haben wir die einzige weibliche Protagonisten in diesem Zyklus. Alicia selber ist sehr speziell, voller Eigenheiten, trotzdem habe ich sie sofort in mein Herz geschlossen. Von allen Figuren die jemals in allen vier Büchern eine Rolle gespielt haben, ist sie die Person, welche am schwersten für mich zu durchschauen war. Aber auch viele andere Figuren trifft der Leser wieder und von so manchen erfahren wir ein Stück mehr von seiner Geschichte. Dies hat für mich den Effekt, das ich die Romane um den Autoren David Martìn (‚Das Spiel des Engels‘ und ‚Der Gefangene des Himmels‘) noch mehrmals lesen werde, natürlich werde ich auch ‚Der Schatten des Windes‘ wiederholt lesen. Auf jedes dieser Bücher werde ich wohl nun eine etwas andere Sicht haben und mir etwas zeigen, was vorher anders interpretiert habe. Denn die ein oder andere Nebenfigur, aus den vorherigen Büchern, hat nun ihre eigene Geschichte. Es ist in etwa so als würde der Leser sich in einem 4 D Universum befinden, in dem sich alles irgendwie gegenseitig bedingt. Auch wenn sich dies bei mir sehr kompliziert und unlogisch anhört, ist es das Gefühl, welches ich nach dem Beenden habe.
Carlos Ruiz Zafòn schafft es aber durch seinen poetisch, runden Schreibstil, mit den vielen möglichen Zitaten, ohne komplizierte Theorie dieses Gefühl zu vermitteln.
Ich muss zugeben, das ich erstaunt bin wie brutal der Roman zeitweise ist, dabei ist er jedoch nie übertrieben.
Ich persönlich kann die Weigerung Zafóns verstehen seine Bücher nicht verfilmen zu lassen, den sind ein einziger Film, trotzdem fehlt es der Handlung nicht an Tiefe.

‚Das Labyrinth der Lichter‘ zählt ebenso wie alle anderen Romane von Carlos Ruiz Zafón zu meinen liebsten Büchern, es ist jetzt schon mein Jahreshighlight. Ich werde die Geschichte vom Friedhof der vergessenen Bücher für immer in meinem Herzen tragen und sicherlich werde ich noch sehr oft die verschlungenen Gänge Bücherlabyrintes erforschen.

 

 

 

Links zum Buch:
S. Fischer Verlag: ‚Das Labyrinth der Lichter
Genialokal: ‚Das Labyrinth der Lichter
Autorenseite: Carlos Ruiz Zafón
Musik zu den Büchern: Extras