Das Seelenhaus von Hannah Kent

07.04.2017 11:21

Das erste was mir auffiel, als ich erstmalig, vor einiger Zeit das Cover vom Buch sah, dass es sich hierbei wohl um einen Thriller handelt. Erst durch denn Klappentext erfuhr ich, das es sich um einen fiktiven, auf einer wahren Begebenheit beruhenden Roman handelt. Dieser erzählt die Geschichte von Agnes Magnúsdórttir, der letzten Frau die in Island hingerichtet wurde, seitdem wollte ich es lesen.
Das Buch gibt es glaube ich nur als Taschenbuch mit 384 Seiten, erschien im Oktober 2015 bei Droemer TB.

Inhalt
Island 1828: Agnes Magnúsdórttir ist eine selbstbewusste, intelligente, aber eine verschlossene Frau. Sie wird beschuldigt zwei Männer brutal ermordet zu haben. Ihre letzte Zeit vor der Hinrichtung soll sie auf dem Hof eines Beamten verbringen. Seine Frau und seine Töchter sind entsetzt und haben Angst. Erst als Agnes beginnt langsam und zögerlich ihre Geschichte zu erzählen, beginnt auch die Familie Agnes mit anderen Augen zu sehen. Hat es Agnes wirklich verdient zu sterben?

Meine Meinung:
Hannah Kent´s Debütroman besticht nicht nur mit einer absoluten interessanten Geschichte, welche sehr gut und realistisch erzählt wird. Schnell wird dem Leser klar das die Geschichte von Agnes sehr gut recherchiert ist.
Ich muss zugeben ich habe immer etwas Angst davor historische Romane zu lesen, welche vor dem 19. Jahrhundert spielen. Dieses liegt vor allem an meinen nicht immer ganz so sicheren Geschichtskenntnissen, aber auch an dem Schreibstil welchen ich oft als kompliziert empfinde. Keine dieser Befürchtungen trifft aber auf ‚Das Seelenhaus‘ zu. Hannah Kent´s Schreibstil hat mich mich von der ersten Seite an sehr angesprochen, da er sehr klar und direkt ist. Meiner Meinung nach passt der Schreibstil sehr gut zur kargen und entbehrungsreichen Landschafts Islands, in der seine Bewohner ums Überleben kämpfen.
Der Roman wird aus sehr verschieden Perspektiven erzählt, die sich immer abwechseln. Natürlich ist da Agnes, die erst sehr bedacht und zögerlich, im laufe der Zeit immer offener ihre Lebensgeschichte erzählt. Immer wieder kommt der junge Vikar Toti zu Wort, diesen hatte sich Agnes zu ihrem Beichtvater bestimmt. Dies ist einer der wenigen Rechte, die ein Gefangener hat. Toti ist stellenweise mit seiner Aufgabe überfordert, aber gleichzeitig ist er fasziniert von Agnes. Für mich nimmt er eine ganz besondere Rolle ein, nicht wie gefordert stumpfsinnig mit Agnes zu beten will er mit ihr ihre Vergangenheit aufarbeiten. Des weiteren symbolisiert Toti für mich, die noch recht junge Christianisierung. Agnes ist dem Naturglauben verpflichtet, an vielen Stellen merkt der Leser wie stark der „alte“ Glauben noch immer in den Menschen verwurzelt ist, meistens an Hand von angesprochenen Mythen.
Die dritte Perspektive nimmt die Dame des Hofes Magrét ein, die während des Romans sich charakterlich am Meisten verändert.
Neben den starken Figuren glänzt der Roman mit eindrucksvollen Landschaftsbeschreibungen, die die Atmosphäre nur noch mehr verdichten.

‚Das Seelenhaus‘ ist ein eher ruhiger Roman, der seine Mischung durch Fiktion und Fakten zusammen mit glaubwürdigen und tiefsinnigen Charakteren, sowie einer düsteren Natur, Ist die ein Roman den ich auch Einsteiger in das Genre empfehlen würde.

 

 

Links zum Buch:
Droemer: ‚Das Seelenhaus
Genialokal: ‚Das Seelenhaus