Der kleine Freund von Donna Tartt

26.05.2017 12:38

‚Der kleine Freund‘ ist mein zweiter Donna Tartt. Nach dem großartigem Debüt ‚Die geheime Geschichte‘ habe ich hohe Erwartungen in ihren zweiten Roman gesetzt. Dieses Mal habe ich das Buch nicht alleine gelesen, sondern mit den vier Booktubern: Sophie von VersTand, Steffi von Steffis Leseleben, Annika von Anni K. Mars und der Hahn im Korb Torsten von Toto liest. Gemeinsam machten wir uns an die 765 Seiten. Dieser Wälzer ist im Dezember 2013 im Goldmann-Taschenbuch-Verlag erschienen.

 

Inhalt:
Alexandria ist eine Kleinstadt in den Südstaaten von Amerika. Dort lebt die 12-jährige Harriet Cleve mit ihrer Familie: ihrer Schwester Allison, ihrer labilen Mutter und mit ihrer Großmutter, sowie deren Schwestern. Nur ihr Bruder lebt nicht mehr bei ihnen. Robin wurde vor elf Jahren erhängt an einen Baum gefunden. Der Tod wurde nie aufgeklärt .Dieses Ereignis hat die Familie Cleve grundlegend erschüttert. Nun im Sommer, elf Jahre später, will Harriet dies um jeden Preis ändern.

 

Meine Meinung:
Ich muss zugeben, diese Rezension zu verfassen ist für mich gar nicht so einfach.
Handwerklich gesehen hat Donna Tartt hier wieder eine Spitzenleistung abgeliefert. Die Atmosphäre ist unglaublich dicht, regelrecht greifbar. Die Hitze eines Sommers, sowie seine Trägheit zieht sich durch das gesamte Buch. Dabei ist die Sprache überbordend bildhaft und oft auch sehr Ausschweifend. Die Autorin neigt zu sehr ausführlichen Beschreibungen. Die mir hier und da einfach ein Stück zu lang waren. Es werden gerne mal Geschichten in diesen Ausschweifungen eingewoben, die dem Leser die Stadt und seine Bewohner näher bringen, aber oft nicht wirklich etwas zur Handlung beitragen.
Vielmehr versucht Donna Tartt den Leser so auf der Spurensuche etwas zu verwirren. Was ihr anscheinend so gut gelingt, das sie sich beim Schreiben selbst verzettelt hat. Sie ruft soviel verschiedene Handlungsstränge ins Leben, dass der rote Faden Robins Tod leider verloren geht und wirklich erst zum Schluss erneut aufgenommen wird. Leider mit einem Ende, welches ich schon recht früh vermutet habe.
Die anderen Themen, wie  zum Beispiel die Stellung der Religion in den 60er Jahren in  Mississippi, die schwarze Bürgerrechtsbewegung, Emanzipation werden oft nur geschnitten, aber dann auch wieder fallen gelassen, ohne dabei einen entsprechenden Abschluss gefunden zu haben.
Das zweite sehr große Thema, was sich im Laufe der Zeit mit Harriets „Mördersuche“ verbindet, ist das Gefälle zwischen Arm und Reich. Denn für alles böse müssen, laut der kleinen Harriet, die Armen, die Assiozialen verantwortlich sein. Besonders hat es das Mädchen dabei auf die Familie Ratliff abgesehen, die ihrem Bild vollkommen entsprechen. Mit der Ratliff-Familie hat das Buch dann auch sehr klassisch seine Antagonisten. Der Leser wechselt dann größtenteils zwischen Harriet und der Ratliff-Familie hin und her, oft mehrmals in einem Kapitel. Dazu muss ich wohl anmerken, das ein Kapitel des Romans oft an die 150 Seiten hat, dass dann durch viele Absätze noch einmal unterteilt wurde. Also kein Buch für Kapitelleser.
Bei den Figuren hatte ich vor allem mit der egoistischen, sturen Harriet meine Probleme. An der einen oder anderen Stelle hatte ich das Gefühl, Harriet wurde an Scout aus Harper Lee`s ‚Wer die Nachtigall stört‘ angelehnt. Mit dem für mich gravierendsten Unterschied. Harriet macht im Roman kaum eine Entwicklung durch. Im Gegenteil um so weiter die Geschichte fortschreitet, um so mehr macht sie Rückschritte. Sie hat sich in diesem Roman ein Opfer ausgesucht und sich daran festgebissen. Zu Beginn unterstützt ihr Kumpane Hely sie noch in ihrem Vorhaben, bis er sich dann aus schwer wiegenden Gründen von ihr abwendet.
Anders geht es mir mit den Ratliff. Ihre Geschichte und der Wunsch nach einem besserem Leben haben mich wirklich zum mitfiebern gebracht. Ich konnte allen Brüdern irgendwie etwas abgewinnen. Das Augenmerk liegt aber auf Danny. Der auf  den ersten Blick gar nicht soviel von seinen brutalen Brüdern. Sein Blickwinkel ist für mich um einiges realistischer gewesen als Harriets.

‚Für den kleinen Freund‘ benötigt man trotz seiner tollen Sprache und dichten Atmosphäre einen langen Atem. Ein Roman, den ich nur Freunden von Donna Tartt empfehlen würde.

 

 

 

Links zum Buch:
Goldmann Verlag: ‚Der kleine Freund
Genialokal: ‚Der kleine Freund
Die Booktuber: VersTand, Steffis Leseleben, Anni K. Mars, Toto liest