Der Professor von Charlotte Brontë

21.07.2017 10:05

‚Der Professor‘ ist das sogenannte Debüt von Charlotte Brontë. Dieser wurde erst nach ihrem Tod veröffentlicht. Mit 372 Seiten ist der Roman nicht sonderlich dick. Erschienen ist der Roman im Dezember 2014 im Insel Verlag. Das Original erschien 1857.

 

Inhalt:
Als der junge William Crimsworth seine Ausbildung beendet hat. Beschliesst er nach Brüssel zu gehen um dort als Lehrer, oder wie es dort genannt wird als Professor zu unterrichten. Er nimmt jeweils eine Stelle an einer Jungenschule und an einer Mädchenschule an. Dort begegnet er der Direktorin Madame Reuters und fängt an für sie zu schwärmen. Aber auch seine Schülerin Frances Henri, ebenfalls eine junge Lehrerin an dem Institut lässt den Professor nicht kalt.

 

Meine Meinung:
Ich weis nicht was es ist, aber diesen Roman zu lesen viel mir schwer. Nach 25 bis 50 Seiten merkte ich regelrecht wie mich die Lektüre erschöpfte. Trotzdem finde ich das Debüt von Charlotte Brontë alles andere als schlecht.
Der junge teils sehr naive Professor, war mir von Anfang gleich sympathisch. In manchen Ansichten ist er ein Kind seiner Zeit, vor allem dann wenn um das Frauenbild und die Rolle der Frau in der Gesellschaft geht. Im Laufe der Handlung reflektiert er jedoch zunehmend sein Verhalten.
Professor William Crimsworth selbst wählt für sich einen ganz ungewöhnlich Weg zu seiner Zeit. Eigentlich wäre es ihm gesellschaftlich nur möglich Pfarrer zu werden oder Handelsmann und damit unter der Fuchtel seines eigennützigen Bruders zu stehen. Er hingegen beschließt mit der Familie zu brechen und geht nach Brüssel.
Brüssel ist für Charlotte Brontë eine Stadt in der sie sich gut auskannte. Sie selbst hat in dieser Stadt als Lehrerin gearbeitet und gelebt. So berichtet sie von dem Schulsystem und wie wichtig Bildung vor allem für junge Frauen war, wenn sie nicht hoffen konnten eine gute Partie zu machen. Dabei ist es interessant zu sehen welche Aspekte damals zur Partnerwahl beitrugen. War die Dame schön und oder reich musste sie sich um ihr Auskommen keine Gedanken machen. Entsprach die Dame keinen diesen Attributen schien sie strebsamer zu sein. Dies ist ein Bild das in dem Buch immer und wieder an verschiedenen Beispielen durchgekaut wird. Unterstützt werden diese Thesen durch die angebliche Physiognomie, dies ist die Lehre von körperlichen Merkmalen auf die geistige Beschaffenheit zu schließen. Leider breitet die Autorin dies gerne weit aus.

Wer in diesem Jane Eyre vermisst, die berühmteste Romanfigur von Charlotte Brontë, wird einige Züge von ihr in dem Professor und seiner Schülerin entdecken.
Der Stil des Romans ist eher berichtet in Briefform in dem auch der Leser angesprochen wird. Es gibt sehr viele französische Abschnitte und Sätze, was natürlich am Handlungsort liegt als auch daran das es damals verbreiteter war. Um mehr Atmosphäre zu schaffen hat man diese beibehalten und in einem Glossar erklärt.
‚Der Professor‘ ist vielleicht nicht grade der beste Roman von Charlotte Brontë, nichts desto trotz strahlt er eine einmalige Faszination aus.

 

 

Links zum Buch:
Insel Verlag: ‚Der Professor
Genialokal: ‚Der Professor