Der Russe ist einer der Birken liebt von Olga Grjasnowa

11.08.2016 16:05

‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ ist in letzter Zeit wirklich in aller Munde, sei es auf Bloggs, Booktube, in meinem privaten Umfeld oder am Maxim Gorki Theater, als Stück inszeniert. Also musste ich es lesen, das ein Teil des Buches in Israel / Palästina spielt hat mich nur noch mehr gereizt. Mein Taschenbuch hat 283 Seiten und ist im August 2013 in der dtv Verlagsgesellschaft erschienen.

 

Inhalt:
Mascha ist Immigrantin, sie ist Aserbaidschanerin, Jüdin und nach Bedarf auch Türkin oder Französin. Mascha ist besonders ergeizig sie spricht fünf Sprachen fließend und ist ein ‚Musterbeispiel‘ für gut integrierte Immigranten. Sie plant grade ihre Karriere bei der UNO als ihr Freund schwer erkrankt. Alte Wunden brechen auf, aus lauter Verzweiflung flieht sie nach Israel.

 

Meine Meinung:
Mascha ist distanziert und professionell, schwer lässt sie ihre Mitmenschen an sich heran kommen. Vorurteilen, begegnet sie mit einer gewissen Ironie. Allen Fragen nach ihrer Flucht weicht sie geschickt aus, sei es mit ihren Spitzenleistungen oder ihrer Lebensweise. Auch wenn Mascha im „Berufsleben“ sehr strikt ist, wirkt es im Privatleben überhaupt nicht so, dort ist sie eher etwas flatterhaft. Aber genau diese beiden Seiten passen sehr gut zusammen, denn sie machen deutlich was Mascha am meisten fürchtet: Die Kontrolle zu verlieren und machtlos zu sein. Ich konnte nicht immer Mascha nachvollziehen, grade im weiteren Verlauf hätte ich sie nur ganz gerne mal in den Arm genommen oder bei Bedarf geschüttelt.
Die kurze und knackige Schreibweise Olga Grjasnowas passt sehr gut zu Maschas Charakter. Ein Stilmittel, dass dem Leser im Buch immer wieder begegnet: wenn Mascha ihre Mitmenschen trifft, dann schweift sie oft in Gedanken dahin ab, wie sie die Menschen kennengelernt haben oder anderen gemeinsamen Erlebnissen. Der Roman ist in der Ich-Form geschrieben, dies nimmt den Abschweifungen ihre Distanziertheit. 

‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ möchte aufzeigen mit welchen Druck und mit welchen Vorurteilen Menschen mit Migration zu leben haben, oft auch untereinander. Ein weiterer Aspekt ist die Entwurzelung und die Suche nach sich selbst.
Leider muss ich sagen. das mir die erste Hälfte sehr gut gefallen hat, da ich in dem Moment Olga Grjasnowa abgenommen habe worüber sie schreibt. Auch konnte ich mich mit den Figuren identifizieren. Irgendwie habe ich die Schwierigkeiten /Probleme als typisch für meine Generation empfunden. Vor allem den Druck du musst „alles geben, um etwas zu sein“. Den großen Wunsch als Mensch war genommen zu werden.
Die andere Hälfte des Buches wurde für mich etwas schlechter, die Handlung wirkt für mich sehr gestellt. Irgendwie empfand ich das Olga Grjasnowa sich dachte ich müsste unbedingt noch eine deutlichere politischere Note reinbringen, darum lasse ich ein Teil der Handlung in Israel/Palästina spielen. Sie spielt zwar auf den Konflikt an, trotzdem wirkte es auf mich teilweise sehr abgehackt und etwas Zusammenhangslos, vielleicht liegt es daran, dass die Autoren für meinen Geschmack zu viele Themen anreißt.
Trotz meiner teilweise kritischen Meinung kann ich nachvollziehen, das es viele Menschen begeistert sind, Olga Grjasnowa dafür mit den Anna-Seghers-Preis-2012 gewonnen hat und sogar Masterarbeiten über das Buch geschrieben werden. Aber trotz alle dem hat mir zeitweise die Echtheit gefehlt. Trotzdem ist es ein gutes Werk. ‚Der Russe ist einer der Birken liebt‘ ist ein Buch für Jeden, der Bücher über Identitätssuche mag.

 

 

Links zum Buch:
dtv: Der Russe ist einer der Birken liebt
genialokal: Der Russe ist einer der Birken liebt