Die Bienenhüterin von Sue Monk Kidd

24.02.2017 10:35

Meine erste Begegnung mit der „Bienenhüterin“ war durch den gleichnamigen Film, der mir sehr gut gefallen hat. Dies war auch der Grund warum ich einige Zeit später zum hochgelobten Roman griff.
Die Taschenbuchausausgabe hat 352 Seiten und ist April 2005 bei Btb erschienen.

 

Inhalt:
Lilys Mutter verstarb als sie noch sehr klein war, seitdem herrscht ihr Vater mit Unbarmherzigkeit. Rosaleen ist ihre einzigste Vertraute. Nach einem rassistischen Überfall auf Rosaleen machen sich  die Beiden auf den Weg in einen neue Zukunft. Unterschlupf bei ihrer Suche finden sie bei Augusta und ihren Schwestern. Lily wird zur von Augusta zur Bienenhüterin ausgebildet, aber wird Lily auch ihr Glück finden?

 

Meine Meinung:
Als allererstes möchte ich vorweg schicken, mir hat der Roman gar nicht gefallen und ich würde auch dringend vom Lesen abraten!
Der Roman spielt vor den Hintergründen der Bürgerrechtsbewegung 1969 in den Südstaaten von Amerika. Eine Zeit in der diskriminierende und rassistische Übergriffe gegenüber der schwarzen Bevölkerung an der Tagesordnung waren und leider bis zum heutigen Tag noch sind.
Vor diesem Hintergrund wird ein kleines weißes Mädchen von einer farbigen Frau großgezogen, ohne Liebe von ihrem Vater. Da das Buch aus der Sicht von diesem impertinenten Gör, das nichts wichtigeres im Kopf hat als die neuen Armbänder, ihre Haare und ihre Wochentagschlüpfer, erzählt wird, ist es auch nicht weiter verwunderlich, das Rosaleen ihre einzige Bezugsperson als typisches Klischeebild einer schwarzen Frau dargestellt wird, für die sie sich immer schämt.
Zu erst dachte ich das Bild wird so überspitzt gezeichnet, um eine Entwicklung Lilys im Buch besser darzustellen. Leider starb meine Hoffnung sehr schnell. Denn selbst 20 Seiten vor dem Schluss blickt sie noch mehr als herablassend auf Rosaleen, Augusta, May und June. Mehr als einmal fällt auch der Begriff ‚Neger‘, geäußert natürlich von Lily. Bitte versteht mich nicht falsch aber ein Mädchen mit ihrem Hintergrund und im Alter von 14 Jahren sollte es besser wissen. Generell bin ich der Meinung, das diskriminierende Ausdrücke nur dann in einem Text auftauchen sollten, wenn sie Handlung vorantreiben bzw. klarer machen. Meines Erachtens ist das hier nicht notwendig.
Wer sich jetzt fragt wie werden den die anderen Figuren dargestellt, sehr, sehr  flach und immer nach Klischee.
Es gab im ganzen Roman zwei Stellen bei denen ich auf eine Wendung gehofft habe, meist einhergehend mit aufgebauschten Sprachbildern. Die bei einer nochmaligen Betrachtung leider diskriminierendeTendenzen aufwiesen. Ein Beispiel auf Seite 319 „[…], und so ruhten nun unsere schwarz-weißen Hände übereinander geschichtet auf meiner Brust“ Ich persönlich bin gar kein Freund davon wenn immer wieder auf ‚Besonderheiten‘ hingewiesen wird, wie das Schlagen in eine Wunde, obwohl der Konflikt / die ‚Besonderheit‘ längst klar ist. Mit der Betonung auf die unterschiedlichen Hautfarben werden die Grenzen immer weiter verstärkt.
Randthemen wie die Bürgerrechtsbewegung in den USA laufen so in dem Hintergrund und recht unaufgeklärt ab, das es eher wie ein rosa Zuckerwattendunst wirkt, als in irgendeiner Art und Weise die Realität abzubilden. So ist es auch nicht weiter verwunderlich das laut der Autorin während eines Sommers komplette politische Realitäten ändern. Andere Handlungstränge werden kaum oder gar nicht Aufgeklärt.
Der einzigste Grund wieso ich den Roman trotzdem zu Ende gelesen habe ist, weil soviel Leser begeistert waren und ich mir selbst eine endgültige Meinung bilden wollte. Eher eine Entfehlung, sehr schade. Wer aber trotzdem neugierig ist dem empfehle ich den gleichnamigen Film, der vermittelt ein ganz anderes Bild und ist auch recht gut gespielt, zumindest für meinen Geschmack.

 

 

 

Links zum Buch:
Btb: ‚Die Bienenhüterin
Genialokal: ‚Die Bienenhüterin
Filmtrailer (englisch): ‚Die Bienenhüterin‘