"Die Schönheitskönigin von Jerusalem" von Sarit Yshai-Levi

31.03.2016 11:23

Beim durchschauen des aktuellen Programms, fiel mir „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“ sofort ins Auge. Das Buch wurde mir freundlicherweise vom Aufbau-Verlag zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank! Es hat 618 Seiten und ist als Hardcover im März 2016 erschienen.

Inhalt:
Der Fluch der Familie Ermonza: Die Liebe meidet die Frauen der Familie Ermonza, Ehen werden nicht glücklich und die Liebe gegenüber ihren Kindern bleibt aus. Dagegen läuft das Geschäft auf den Machane-Jahuda-Markt sehr gut.
Eine Familiengeschichte über vier Generationen.

Meine Meinung:
„Die Schönheitskönigin von Jerusalem“ erzählt die Geschichte der Familie Ermonza und gleichzeitig werden circa 40 bewegende Jahre der Stadt Jerusalem erzählt, mit der die Familie eng verbunden ist. Wie wichtig der Familie ihre Herkunft und ihre sephardischen Traditionen sind (sepahardische Juden, sind von Spanien nach Israel eingewandert). Dies wird bei den ersten paar Sätzen klar. Immer wieder sind die Sätze spanisch angehaucht und mit hebräischen Ausdrücken gespickt. Beim Lesen fielen mir sofort die Parallelen zum strengen spanischen Glauben auf. Trotzdem werden jüdische Traditionen hochgehalten.
Levi hat ihre Geschichte Komplett aus der Sicht der spanischen Juden geschrieben, das heißt auch das Feindbild, welches sich je nach Generation ändert immer im Zusammenhang mit der politischen Situation in der Stadt steht.
Die Familie Ermonza ist ein Beispiel dafür wie eine Familie ohne Liebe zu einander und bei manchen Konstellationen mit übertrieben Liebe zueinander existieren kann. Von Anfang an war ich geschockt von der fehlenden Mutterliebe. Erst nach und nach konnte ich Merkada, Rosa und Luna verstehen.
Die Geschichte wird wie eine Zwiebel nach und nach entblättert und entwickelt dabei einen erzählenden Sog wie ich ihn nur selten in einem Buch gefunden habe. Ein Stückweit wird die Geschichte aus der Sicht von Gabriela erzählt. Bald drauf wird sie aus der eines Allwissenden Erzählers erzählt. Dabei wird auf alle wichtigen Personen abwechselnd eingegangen. Fast alle handelnden Personen sind mir nicht unbedingt sympathisch, dies macht das Buch aber auf gar keinen Fall schlecht, im Gegenteil es unterstreicht noch die Thematik. Besonders „Die Schönheitskönigin von Jerusalem“ missfiel mir fast das ganze Buch über. Am Ende habe ich dann meine Meinung gegenüber Luna komplett geändert.
Da die Familie ein Delikatessengeschäft besitzt spielt es auch eine ganz große Rolle. Dieses Zusammenspiel schwierige Familienverhältnisse und angesehene Handelsfamilie, lies mich immer wieder an die Buddenbrooks denken, irgendwie habe ich dem Buch für mich persönlich dem Beinamen gegeben: „Die Buddenbrooks von Jerusalem“.
Yshai-Levi´s Roman stellt einen gewissen Anspruch an den Leser, ein schnelles Weglesen ist nicht möglich, da es sehr gut ausgearbeitet ist und sehr komplex ist.


„Die Schönheitskönigin von Jerusalem“ ist ein absolutes fesselndes Buch für alle die sich fürs Judentum und Jerusalem interessieren. Spanisch Kenntnisse und ein gewisses Grundwissen zum Thema Judentum sollten vorhanden sein. Leider fehlt dem Buch ein Glossar. Aber für Interessierte mit gewissen Vorwissen ist das Buch eine absolute Empfehlung. Für mich steht jetzt schon fest das ich den Roman in zehn Jahren noch einmal lesen werde, allein schon um zu wissen welche Perspektive ich dann einnehme.

 

Links zum Buch:
Aufbau-Verlag: „Die Schönheitskönigin von Jerusalem
Amazon: „Die Schönheitskönigin von Jerusalem