"Ismaels Orangen" - Meine erste Lesung

22.07.2015 20:49

Hallo ihr lieben Lesefreunde,

heute möchte ich euch von meiner allerersten Buchlesung berichten. Wie kam ich eigentlich dazu zu dieser Lesung zu gehen? Vor einigen Tagen erreichte mich eine Email des Blavalet-Verlages in dem eine Lesung zu den Roman "Ismaels Orangen" von Claire Hajaj im Jüdischen Museum Berlin angekündigt wurde. Allein der Veranstaltungsort Jüdisches Museum (was nebenbei bemerkt mein lieblings Museum ist) und der Roman "Ismaels Orangen" welcher seit längeren auf meiner Wunschliste steht, waren für mich Grund genug diese Veranstaltung zu besuchen. 

Nach einigen Recherchen fand ich heraus dass die Veranstaltung im Rahmen des Kulturradios und seinem Sommerprogramm "Sommer der Kultur" stattfand. Natürlich in Koorperation mit dem Buchverlag. Moderiert wurde die Veranstaltung von Sigrid Brinkmann, Kulturradio Moderatorin, und als Vorleser wurde Ilja Richter, Moderator und Schaupieler verpflichtet. Selbstverständlich war natürlich auch die Autorin selber, Claire Hajaj anwesend. 

Am 18.7. Abends machten meine Begleitung und ich uns auf den Weg zum Jüdischen Museum. Ersteinmal mussten wir in der S-Bahn eine Horde wild gewordener Fussball Fans ertragen, bei gefühlten 30 Grad. Als wir diese Widrigkeit überstanden hatten und halb 6 im Museum eintrafen, musste ich jedoch enttäuscht feststellen, dass die Lesung nicht wie angekündigt im Garten stattfindet sondern im total überhitzten Glashof des Museums. Nachdem wir uns den Veranstaltungsort angesehen haben und uns einen gemütlichen Sitzplatz gesichert haben, stellte meine Begleitung erschrocken fest, das auf dem Bücherverkaufstisch viel zu wenig Bücher für die zuerwartenden Gäste liegen. Also sicherte ich mir bereits vor Beginn der Lesung ein Exemplar, was ich später als noch klug erweisen sollte. Nach und nach füllte sich auch der Lichthof mit dem Publikum und es wurde gleich noch einige Grad wärmer. Die anderen Zuhörer schien sich vor der Veranstaltung im hauseigenen Café den Magen vollgeschlagen zu haben. 

Als mit etwas Verspätung Claire Hajaj, Ilja Richter und Sigrid Brinkmann die Empore des Glashofes betreten haben, hat sich auch der Saal bis zum letzten Platz gefüllt inklusive einigen frechen Spatzen, die gerne mal auf den Büchern herum turnten.

Nachdem alle Beteiligten mehr oder minder ausführlich vorgestellt wurden, begann die Moderatorin, Claire Hajaj über ihr Leben als 2014 geoutete Jüdin in Beirut auszufragen und wie ihre Familiengeschichte sie zu ihrem Debütroman geführt hat. Innerhalb dieses Gespräches wurde dann auch klargestellt, das die Autorin Tochter eines Palästinensers und einer Jüdin ist, und welche Schwierigkeiten sich aus dieser Konstellation für ihre Eltern aber auch für sie als junges Mädchen ergaben. Sie berichtete davon, entwurzelt zu sein. Besonders als Kind beneidete sie diejenigen, die wussten zu welchem Volk sie gehören. Heute sieht sie ihre Position zwischen den Völkern als etwas positives, denn sie ist in der Lage politische Situationen und Gegebenheiten sowie auch familiäre Erlebnisse objektiv zu beurteilen und zu hinterfragen. Diese Aussagen hat mich tief berührt und vorallem sehr nachdenklich gemacht, aber sie führte auch dazu das ich umso schneller das Buch entdecken möchte. Ein anderes Erlebnis, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat, von dem sie berichtete, ist die erste Reise, die ihr Vater mit ihr nach Jaffa unternommen hat um sein Geburtshaus zu besuchen. Dort öffnete ihm eine deutsche Jüdin die Tür und er war nicht in der Lage das Haus zu betreten, trotz einer freundlichen Einladung. Was diese Erlebnisse von Claire Hajaj und noch viele weitere mit dem Buch "Ismaels Orangen" zu tun haben, müsst ihr natürlich selber lesen.

Zwischen den einzelnen Gesprächsabschnitten mit der Autorin las Ilja Richter einzelne Textauszüge aus dem Buch vor. Zuerst kam mir seine Stimme zu alt vor, da gerade der Anfang aus Kindersicht berichtet wird. Nach einiger Zeit hatte ich mich an seine Stimme gewöhnt und fand seine ernste und doch humorvolle Art zu lesen recht angenehm. Der Eindruck, das ich die vorgelesenen Textauszüge nicht ganz so gut gewählt waren blie aber bestehen. Teilweise fühlte ich mich so in die Geschichte geschmissen, das ich mich vor lauter Zusammenhangslosigkeit, erst gar nicht auf das Lesen konzentrieren konnte. Was vielleicht auch daran lag das mir die Charaktere so wenig bekannt waren.

Sigrid Brinkmann, finde ich persönlich, hat ihren Job so mittelmäßig gemacht. Sie stellte zwar genau die richtigen Fragen übersetzte aber nur das Notwendigste ins Deutsche. Dieses ist besonders für Besucher, welche kein Englisch sprechen schade, da ihnen die ein oder andere sehr beeindruckende Erzählung verborgen blieb.
 

Nachdem sich Claire Hajaj mit aufrichtigen Tränen in den Augen und in Erinnerung an ihre aus Deutschland stammende Mutter, bei ihrem Publikum bedankte. Kaum waren die letzten Worte verklungen, wurde auch schon der Büchertisch gestürmt, wie nicht anders zu erwarten gab es viel zu wenig Exemlare für die Anzahl der Menschen, die eins erwerben wollten. Ich meine müssen nicht mindestens genauso viele Bücher verfügbar sein, wie man Sitzgelegenheiten hat?
Die Autorin kam noch nicht einmal dazu an den vorgesehenen Signiertisch zu gehen, sie wurde gleich auf der Empore um Autogramme gebeten. Das war für mich ein wenig schade, denn so konnte ich mir die Widmung nicht selber holen. Ich habe einfach meine Begleitung geschickt. Wie ihr sehen könnt hat es auch so geklappt :-D .
 

Mein Fazit zu der Lesung von "Ismaels Orangen": Die Autorin hat mich tief beeindruckt und das Buch muss ich sofort lesen, obwohl ich an der Auswahl der Textauszüge, etwas auszusetzen habe finde ich es ein warscheinlich sehr gelungenes Werk.
Es wird warscheinlich nicht letze Lesung gewesen sein.
 

 

Weitere Links:
Blanvalet: "Ismaels Orangen"
Amazon: "Ismaels Orangen"
Buchtrailer: "Ismaels Orangen"
Interview: Mit Claire Hajaj
Jüdisches Museum Berlin: Jüdisches Museum