"Ismaels Orangen" von Claire Hajaj

01.08.2015 13:19

"Ismaels Orangen" von Claire Hajaj konnte mich schon im Rahmen der Lesung im Jüdischen Museum Berlin von sich gefangen nehmen. Von meiner allerersten Lesung habe ich euch bereits berichtet. Erschienen ist der Roman bei Blanvalet und er hat 448 Seiten.

Inhalt:
Salim Al-Ismaeli ist der Sohn eines palästinenschen Orangenzüchters, der bis April 1948 in Jaffa aufwuchs. Er träumte davon die Zucht zu übernehmen und die Früchte seines Orangenbaums zu pflücken, bis seine Familie zur Flucht gezwungen wird und Salim seine Träume zurück lassen muss. Fern ab zur gleichen Zeit wächst in England die Jüdin Judit auf. Sie ist das Kind Holocaustüberlebener, sie bleibt fast unberührt von dem Krieg in Palästina/Israel.
Als sich Judit und Salim begegnen und in einander verlieben, stellt sich die Frage kann Liebe Hass besiegen?

Meine Meinung:
"Ismaels Orangen" ist ein Roman, der mich von der ersten bis zu letzten Seite absolut von sie begeistern konnte ohne, das ein Volk dabei im Vordegrund steht. Feinfühlig wird der Leser in die Lebenssituation beider Völker eingeführt. Da wir Salim und Judit, später Jude, schon als Kinder beginnen kennen zu lernen, erfahren wir was es für Salim bedeutet in Palästina zu leben und was es heißt als Kind entwurzelt zu werden. Jude wächst in einer Familie auf, die noch mit den Folgen eines anderen Krieges kämpft und nun alte Tradition versucht neu aufleben zu lassen. Der Roman wechselt die ganze Zeit zwischen Jude und Salim, wobei Salims Geschichte mehr Raum einnimmt. Da aus der Sicht eines allwissenden Erzählers berichtet wird fällt dies nicht zu sehr auf, den Jude spielt in dem Handeln von Salim eine sehr große Rolle.
Sowohl Jude als auch Salim, sind verständig handelne Personen. Wobei ich zu geben muss, dass ich von Judes Menschlichkeit tief beeindruckt bin. Wahrscheinlich würde ich mit Salims Vergangenheit, ähnlich handeln. Keiner der beiden Hauptcharaktere kann die typisch Gut-Karte zu geschoben werden, oder die Gegenteilige. Der komplette Roman hat Figuren mit Ecken und Kanten, genau wie der Konflikt um das Land zwischen Jordan und dem Mittelmeer.
Der Schreibstil ist an den richtigen Stellen, orientalisch, blumig, süßlich-schwerfällig und an anderen kühl, distanziert, akurat und gradlinig. Dieser punktgenaue Einsatz,  zeigt für mich das Claire Hajaj in zwei sehr unterschiedlichen Welten aufgewachsen ist und das Kennt wovon sie schreibt. Mir gefiel das arabische und hebräisch/jiddische Vokabular (Im Anhang befindet sich ein Glossar), denn es vielleiht dem Buch eine Glaubwürdigkeit die mich oft vergessen lassen hat das der Roman fiktiv ist. 
Clai Hajaj ist selber die Tochter eines Palästinenser und einer Jüdin, sie verarbeit in dem Roman ein Stück weit ihre eigene Familiengeschichte, wie ich auf der Lesung erfahren habe.
 

"Ismaels Orangen" ist ein Roman, der anders ist. Es ist die Geschichte der Liebe zweier Menschn zueinander, aber auch die Geschichte eines Landes und seiner Menschen, die unter der  Zerrissenheit bis heute leiden. 


Links zum Buch:
Blanvalet: "Ismaels Orangen"
Amazon: "Ismaels Orangen"
Buchtrailer: "Ismaels Orangen"