Lesen mit schlechtem Gewissen???

24.06.2015 13:25

Die E-Book-Welt rund um den Onlinebuchhändler Amazon wird immer abstruser. Amazon will zukünftig seine Autoren nach gelesener Seite bezahlen und nicht mehr für jedes verkaufte Buch. Diese Schocknachricht veröffentlichte Heute die TAZ (Artikel zum Nachlesen). Das Bezahlsystem soll erst einmal nur für die Selfpublisherautoren gelten, welche über Amazon, mit "Kindle Select", verlegen. Ab 1. Juli 2015 gilt die neue Methode für die Amazonleihbibliothek, aber wer Amazon kennt der weiss, dass es sehr bald auf dessen gesamten Onlinebuchhandel ausgeweitet werden wird. 

Eine Schreckensnachricht die mich als bekennende  Leseratte hart trifft, da ich gerne mal durch den Amazon-Ebook-Shop stöbere, um neue E-Books zu entdecken. Wobei der günstige Preis oft sein Übriges tut, da überwinde ich mich wesentlich schneller mir ein Buch zu kaufen, welche ich vielleicht nur ausprobieren möchte. Lese ich es dann nicht zu Ende, aus welchem Grund auch immer, war ich mir aber auch immer sicher, dass der Autor seinen Lohn für seine Arbeit bekommt. Mit dem neuen Bezahlmethoden, bekomme ich aber durchaus ein sehr schlechtes Gewissen, sollte ich das gekaufte Buch abbrechen. Schließlich sind ja Geschmäcker so unterschiedlich, wie die Menschen, die gerne Bücher lesen. 
Aber nicht nur, das schlechte Gewissen wird zu dem neuen "Lesegefühl" dazu gehören, sondern eine ganz neue Art von Büchern. Umso dicker umso mehr Geld, Kliffhanger und krude Wendungen, Reihen der Unendlichkeit und natürlich künstlich verdickte Romane. Oft sind es grade die kleinen und dünnen Romane, die das Leserherz im Sturm erobern. Wird es bald keine Bücher mehr geben, im Stil von "Hallo Mister Gott, hier spicht Anna" oder "Der kleine König"? Wie schwer wird es dem Leser gemacht, die wirklich guten Bücher zu finden?
Nicht nur für uns Leser wird es eine Umstellung werden, auch für die Selfpupblisherautoren. Ist es dann überhaupt noch möglich seine Bücher so zu veröffentlichen? Und seinen Traum zu leben Schriftsteller zu werden und damit Geld verdienen zu können? Amazon zerstört damit eine Plattform, die es unbekannten Autoren möglich gemacht hat, ihre Geschichten zu präsentieren und einer doch recht großen Leserschaft zugänglich zu machen. Zudem werden vermutlich viele Leser abgeschreckt überhaupt noch E-Books auf dem Kindle zu lesen oder gar zu erwerben. 
Abgesehen von den Veränderungen für die Bücher, Leserschaft und Autoren zeigt Amazon einmal mehr wieder wie sehr es sich in unser Leben einmischt und uns überwacht. Einfach nur einmal in ein Buch schauen um etwas nachzuschlagen oder in ein Buch reinlesen um dann zu entscheiden es sich doch als die wesentlich teurere Printausgabe zuzulegen wird ein mögliches Todesurteil für Autoren. Um sich als Marktführer in der Sparte E-Book weiter behaupten zu können ist dies sicherlich nicht der richtige Weg.
Wie reagieren eigentlich die Verlage darauf die gerne und viel über Amazon veröffentlichen? Werden sie ihre Autoren zukünftig auch pro gelesene Seite bezahlen?

Ich überlege mir tatsächlich ob ich überhaupt noch E-Books, welche von Amazon verlegt werden, auf meinem Kindle lesen soll oder ob ich mir nicht doch noch eine anderen Reader zulegen soll der nicht mit dem kapitalistischen System von Amazon verbunden ist. Ist das Autoren gegenüber fair die einfach zu unbekannt sind um in großen Verlagen zu veröffentlichen?