"Mein Jahr mit Mr Mac" von Esther Freud

21.04.2016 14:04

Vor einiger Zeit fragte der Berlin Verlag an, ob ich „Mein Jahr mit Mr Mac“ lesen wollen würde. Nach dem Lesen des Pressetextes stimmte ich sehr gerne zu. Vielen Dank Berlin Verlag. Der Roman ist im April 2016 erschienen und hat 368 Seiten.

Inhalt:
Thomas ist der Sohn eines Wirts in einem kleinen Dorf an der Küste von England. Einem Dorf in dem Sommergäste logieren, unter ihnen Mr. Mac. Thomas ist fasziniert von dem Mann und seinem merkwürdigem Auftreten. Die anderem Dorfbewohner misstrauen ihm und dieses Misstrauen wächst potenziell mit dem Fortschreiten des Ersten Weltkrieges. Wie weit wird ein Dorf gehen?

Meine Meinung:
Dieser Roman hat mich sehr gespalten zurück gelassen, dies dreinmal vorweg.

Er glänzt mit seinem außergewöhnlich schönen, beschreibenden Erzählstil. Thomas der kleine Junge erzählt in der Ich-Form von seinen Erlebnissen und seinem Leben. Dabei blieben viele Dinge für mich nur sehr oberflächlich, weil der Junge mit seinem Kinderblick ein ganz anderes Gegenwartsbild wahr nimmt und auf andere Sachen wert legt. Auf der einen Seite fand ich diese Oberflächlichkeit sehr passend, weil es die Einfachheit der Dorfbewohner sehr unterstreicht. Auf der anderen Seite blieb mir zu wenig Platz, dafür Ereignisse zu hinterfragen oder gar der Weiterentwicklung der Protagonisten. Dann gibt es ja noch Mr Mac, der eigentlich Charles Rennie Macintosh heißt, Architekt und Maler ist. Diesen Herren hat es wirklich gegeben, er wurde aber fiktiv mit Thomas in dieser Geschichte zusammen gebracht. Er und seine Frau stellen in dem Buch das Gegengewicht zu den einfachen Dorfbewohnern da, sie sind aufgeklärt modern und gehen liebevoll miteinander um. Aus dieser Figurenkonstellation habe ich etwas ganz besonderes erwartet. Leider wurde ich da schwer enttäuscht. Sowohl Thomas als auch Mac mögen einander und treffen relativ häufig aufeinander, aber wenn etwas passiert was die Handlung vorantreiben könnte und zu einer Entwicklung verhelfen könnte, dann hat die Autorin diesen Moment in der Luft verpuffen lassen. Dies führte vor allem dazu, das die Handlung eintönig und langweilig wurde. Thomas berichtet immer wieder und wieder von seinem Alltag. Die Momente in den etwas interessantes und aufregendes geschieht, sind rar und sehr kurzweilig. Erst die letzten siebzig Seiten wurden spannend.
Dafür greift die Autorin zu einem anderen Stilmittel, welches in der Familie liegen muss, denn Esther Freud ist die Urenkelin von Sigmund Freud. Sie psychologisiert ihre Figuren. So kann man auch Thomas als Mac in Kinderform betrachten, warum und wieso mir dieser Vergleich einfällt müsst ihr selber lesen. „Mein Jahr mit Mr Mac“ bietet einige Interpretationsansätze. Vielleicht auf ein wenig zu viele, denn ich hatte am Ende immer noch das Gefühl was will mir Esther Freud damit sagen.
Mein Fazit „Mein Jahr mit Mr Mac“ ist ein schön geschriebenes stilles Buch mit distanzierten Figuren und mäßig spannender Handlung, aus der man vielleicht noch mehr hätte rausholen können. Die Grundidee hat mir sehr gut gefallen. Ein Buch für Alle die gerne das Meer vor der Nase haben beim Lesen und gerne über Psychoanalytische Ansätze in Büchern nachdenken.

 

Links zum Buch:
Berlin Verlag: „Mein Jahr mit Mr Mac

Amazon: „Mein Jahr mit Mr Mac