Mischpoke! von Marcia Zuckermann

18.11.2016 15:33

Der Herbst ist für mich die Zeit für Familiengeschichten. ‚Mischpoke‘ eine ganz besondere Familiengeschichte. Der Roman wurde mir von der Frankfurter Verlagsanstalt zur Verfügung gestellt - Herzlichen Dank!

Das Buch ist in der gebundenen Ausgabe im August 2016 erschienen und hat 448 Seiten.

 

Inhalt:
„Die sieben biblischen Plagen“, so nennt Samuel Kohanim, Oberhaupt der ältesten jüdischen Familie im westpreußischen Osche, seine sieben Töchter. Da sind Selma, die Jeden mit ihrem religiösen Spleen meschugge macht, Martha, die Lügenbaronin, Fanny, die droht eine alte Jungfer zu werden, Elli, der Wirbelwind und Franziska, genannt Fränze, die wandelnde Katastrophe, stolz, eigenwillig und schön. Ein Kronprinz ist der Familie Kohanim leider vergönnt. Die Familie zieht es , zu Beginn des 20 Jahrhunderts nach Berlin. Fränze in den roten Wedding und Martha heiratet in gehobene Kreise ein und konvertiert zum Christentum. Familienfreundin Oda hat es auch in Weltstadt verschlagen. Mit der Zeit verbinden sich Oda´s Geschichte mit der, der Familie Kohanim.

 

Meine Meinung:
‚Mischpoke!‘ ist eine einzigartiges Lesevergnügen, mit viel Witz, Dramatik und Abstrusitäten, begleitet durch einen Schreibstil, der das Besondere unterstreicht. Marcia Zuckermann hat es geschafft die Sprache, ihren Figuren anzupassen, so wird im Wedding mehr berlinert als in den gehobenen Berliner Kreisen von Martha. Die Autoren lässt die Sprache nicht nur regional agieren sondern auch generationsübergreifend, Franzikas Kindern merkt man auch sprachlich ihre Herkunft an. Wer nun sagt, wo bleibt den das ‚Jüdische‘?, dem sei gesagt keine Angst Traditionelles wird mal mehr , mal weniger eingestreut. Wie alles zu dieser unruhigen Zeit unterliegt auch dies ganz stark, dem Wandel der Zeit.
Um ein komplettes Jahrhundert auf 448 Seiten unterzubringen, spielt die Geschichte  auf zwei Zeitebenen. Aus der Gegenwart heraus, in Ich-Perspektive erzählt uns eine Nachfahrin von Samuel Kohanim, ihre Geschichte und rückblickend ihre Familiengeschichte. Im Mittelpunkt Ebendieser steht zu meist Fränze und ihre Familie, so wie auch Oda und Familie. Das Schicksal aller anderen Familienmitglieder erfahren wir durch Briefe oder kurze Einblicke in ihr Leben. Obwohl es einige Geschichten sind, die in dem Buch erzählt werden, weis der Leser doch sofort wo er sich befindet. Nur an sehr viele ähnliche Namen sollte man sich gewöhnen. Zur Veranschaulichung, ist vorne und hinten im Buch ein Stammbaum abgedruckt. Das Leben erzählt durch die Kohanim-Geschwistern und Oda, die Höhepunkte und Tiefschläge eines Jahrhunderts und wie sich die Ereignisse  auf die Berliner auswirken. Dabei ist kein großes Geschichtswissen von Nöten, es ist eher so als würde der Leser Geschichte miterleben. Zu Beginn dachte ich noch, das ist aber sehr gesponnen, bis das Leben mit seiner abstrusen Geschichte von Wandel, Umbruch, Kriegen und Verfolgung, die kleinen Familienabstrusitäten, die in jeder Familie vorkommen, in den Schatten stellt.
‚Mischpoke‘ ist ein Familienroman wie er sein sollte, voll von Leben und Geschichten, gewürzt mit einer Priese Humor und Bitterkeit.

 

Links zum Buch:
Frankfurter Verlagsanstalt: ‚Mischpoke!
Genialokal: ‚Mischpoke!