Berlin wird zur Zeilenhauptstadt

Schachnovelle von Stefan Zweig

27.01.2017 13:07

Die ‚Schachnovelle‘ musste ich vor vier Jahren in meiner Abiturzeit schon einmal lesen, aber wie es so mit der Pflichtschullektüre, die Lust hält sich eher in Grenzen, zumindest bei mir. Dem entsprechend unaufmerksam war ich dann auch beim ersten Lesen. Trotzdem wollte ich es gerne noch einmal lesen, da es sich um eine Novelle handelt hat sie genau die richtige Länge um sie noch vor den Feiertagen zu lesen, vor allem im Zug. Leider hatte ich es schon an einem Abend ausgelesen. Ich habe das Ebook von Amazon gelesen, mit ca 120 Seiten. Das Original erschien im Dezember 1942.

 

Inhalt:
Die Passagiere auf einem Passagierschiff, welches von New York nach Buenos Aires fährt, werden Zeugen einer ungewöhnlichen Schachpartie. Der unbekannte Dr. B. schlägt den Schachmeister Mirko Czentovic. Durch das Spiel werden bei Dr B. Erinnerungen an die Zeit wach, als er ein politischer Gefangener der Gestapo in Wien war und ihm Schach das Leben rettete.

Meine Meinung:
Beim zweiten Lesen ohne Zwang, habe ich die Novelle gradezu verschlungen.
Ich bin schon fast euphorisch was Stefan Zweigs Schreibstil angeht. In jedem Wort merkt man als Leser seine pazifistischen Einstellung und seinen Wunsch frei zu Leben, ohne Grenzen.
Eindrucksvoll erzählt er in der Schachnovelle von dem Krieg und seinen Folgen. Die Schilderungen von Dr B fühlten sich beim Lesen so real an als hätte ich sie selbst gemacht. In beeindruckenden Sprachbildern, erzählt Stefan Zweig von dem geistigen Tod durch fehlenden Anregungen und dann auch davon wie das rettende Seil zum Strick um den Hals werden kann.
Die Metapher des Schachspiels ist sehr Vielfältig auf den verschiedensten Ebenden in dieser Novelle anwendbar. Angefangen bei seinen Protagonisten Czentovic und Dr B. Im ersten Moment scheint die Aufteilung ganz, der etwas tumbe wirkende Schachmeister, ist Symbolfigur für das Naziregime seinen Stumpfsinn und seiner Bedrohung. Wohingegen Dr B im ersten Moment das Weiße - Gute verkörpert. Er schafft es mit seiner Schläue Czentovic erst in Patt zu setzen und später sogar schlägt.
Wer jetzt denkt typisches ‚Schwarz-Weiß-Denken‘ den wird das Ende wohl total überraschen. Obwohl Schach schwarz-weiß ist, zeigt der Autor eine bunte Mischung von Leben auf und mit dem Ziel des Dampfers Brasilien, den Wunsch nach Freiheit.
Die ‚Schachnovelle‘ habe ich bestimmt nicht zum letzen mal gelesen. Das Büchlein ist ein guter Einstieg in das Thema Exilliteratur der Umgang mit Österreich im zweiten Weltkrieg, sowie dessen Folgen. Wer sich dafür interessiert muss die ‚Schachnovelle‘ lesen.

 

 

Links zum Buch:
Amazon: ‚Schachnovelle‘
Genialokal: ‚Schachnovelle‘ (Taschenbuch)

 

 

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