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Schreibende Paare - Liebe & Literatur von Tania Schlie

11.11.2016 15:28

Ein Buch voller Kurzbiografien von schreibenden Liebespaaren, war für mich Grund genug um bei einem Facebookgewinnspiel mitzumachen. Das Glück war auf meiner Seite und ich habe mein Wunschbuch, aus dem aktuellen Programm des Thiele und Brandstätter Verlages, erhalten. Vielen Dank.

Die vielfach illustrierte und gebundene Ausgabe, hat 240 Seiten und ist im September 2016 erschienen. Nina George hat ein Vorwort geschrieben.

 

Inhalt:
Was es bedeutet, wenn in einer Beziehung beide Parteien dem Schreiben verfallen sind, erzählt Tania Schlie in diesem Buch. Liebespaare, die sich einander anbeten, wo der eine auch mal im  Schatten seines berühmteren Partners steht. Liebespaare, die sich durch Hass und Leidenschaft zueinander hingezogen fühlen, und manchmal Testleser, Verleger und Lektorat für den jeweils anderen sind. Neben dem Eheleben von Sylvia Plath und Ted Hughes, präsentiert uns die Autorin: Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre, Irmgard Keun und Joseph Roth, Bertold Brecht und seine Frauen um nur ein paar Beispiele zu nennen.

 

Meine Meinung:
Ich persönlich habe mir sehr viel von diesem Buch erwartet, denn ich liebe Bücher mit mit sehr kurzen Biografien. Grade beim Lesen oder Filme schauen nehme ich sie mir öfter zur Hand, um etwas mehr über die Hintergründe zu erfahren oder auch um so Neues für mich zu entdecken. Für ausführliche Biografien fehlt mir manchmal die Geduld.
Auf den ersten Blick verspricht, das Buch sehr viel. Es ist wundervoll aufgemacht, mit sehr viel Liebe zum Detail. Zu jedem schreibenden Paar gibt es mehrere Fotografien, oft auch über eine ganze Seite. Die Fotos und Bilder sind sehr gut abgestimmt, auch zum Text. Im Allgemeinen ist der Band farblich in Pastelltönen gehalten und ist seitenweise im Vintagelook gehalten. Das Lesebändchen ist natürlich passend gehalten.
Für mich ist es sehr ungewöhnlich, dass ich mich erst mit dem Äußeren beschäftige und dann mit dem Textinhalt. Denn dieser hat mir fast gar nicht gefallen. Beginnen möchte ich mit dem so gepriesenen Vorwort von Nina George. Ich habe noch keinem Roman von ihr gelesen und nach diesem schlechten, oberflächlichen Vorwort werde ich auch keinen lesen. Gestellt lustig erzählt sie, wie es ist mit einem anderen Autoren zusammen zu leben. Nur leider meldet sich die andere Hälfte nie zu Wort.
Das zweite Vorwort stammt von der Autorin Tania Schlie selber. Es ist nicht wirklich besser. Sie warnt vor, dass sie beim Schreiben eher immer die weibliche Perspektive ein. Ok, ist natürlich auch eine Herangehensweise.
Beim weiter blättern wurde ich nur noch mehr enttäuscht. So nimmt sich Tania Schlie sieben unterschiedliche Kapitel, in denen sie versucht ihre 28 Paare einzusortieren. Leider gelingt ihr dies mehr schlecht als recht. Interessant ist, jedes Paar zu beginn eines Kapitels bekommt besonders viel Raum und passt zum jeweiligen Kapitelthema. Das Paar, welches zum Schluss kommt passt fast gar nicht mehr in das jeweilige Kapitel, noch bekommt es Raum.
Der Schreibstil ist sehr flach, oberflächlich, lapidar mit Halbsätzen. Für die großen Literaten, die sie vorstellt, ist der Schreibstil keine Ehre. Zudem scheint die Autorin ein kleines Problem mit Homosexualität zu haben. Sehr umständlich, fast widerwillig umschreibt sie die Beziehung zwischen Virginia Woolf und Vita Sackville-West oder Arthur Rimbaud und Paul Verlaine.
Natürlich geht es auch um Informationsgewinn. Dazu muss ich sagen, das dieser Gewinn für mich generell größer ist, wenn mich die Personen interessieren. So ließen sich die Paare für mich in drei Abteilungen einteilen: Paare, die mir bisher gar nichts sagten, zum Beispiel Clara und André Malraux. Paare die mir teilweise bekannt waren, oft nur ein Teil des Gespanns oder vom Hören bzw. Lesen, zum Beispiel Martha Gellhorn und Ernest Hemingway (Die Beiden sind auf dem Cover). Die dritte Abteilung sind natürlich Paare mit denen ich mich durch eigene recherche oder anderweitig schon vertraut gemacht habe, mein momentanes Lieblingsbeispiel ist Sylvia Plath und Ted Hughes. Grade wenn mir die Paare schon bekannt waren, viel es mir besonders auf wie flach der Inhalt war. So mancher Wikipediaeintrag mehr Infos bietet.

Dann gab es noch das eine Paar, das für mich gar nicht in das Buch gehört, zumindest dann nicht, wenn man den Untertitel ‚Liebe und Literatur’ beachtet. Harper Lee und Truman  Capote, waren zu keiner Zeit ein Paar. Sie waren Freunde, die sich gegenseitig beeinflusst haben, aber auch viele Jahre kaum miteinander gesprochen haben.

 

Wenigstens eine Bemerkung über die Werke der jeweiligen Autoren hätte ich mir gewünscht, aber dies war nur selten der Fall. Trotzdem habe ich mir eine kleine Liste von Autoren rausgeschrieben, von denen ich etwas lesen will und ggf. noch mehr erfahren will. Auf meiner Liste stehen: Joan Didion, Jean-Paul Sartre, Virginia Woolf, Vita Sackville-West, Truman Capote, Ted Hughes, Zelda und F. Scott Fitzgerald, Paul Auster, Siri Hustvedt, Jessica Durlacher, Leon de Winter, Nicole Kraus, Jonathan Safran Foer.

 

Auch wenn der Text nicht so gut ist, wie erhofft, lohnt sich für die Bilder ein Blick ins Buch. Vielleicht auch nur um euch dann auch eine Liste zu schreiben.


Links zum Buch:
Thiele Verlag: 'Schreibende Paare'
Genialokal: 'Schreibende Paare'






 

 

 

 

 

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