Sieben Tage drei Lesungen

10.04.2016 16:44

Hallo liebe Bücherfreunde,

 

eine wirklich anstrengende Woche liegt hinter mir. Mit vielen privaten Terminen, einem super tollen Treffen mit der Autorin Tanja Neise, in der Buchkantine Berlin. Das Treffen war eher privater Natur, darum nur soviel, es war bestimmt nicht das letzte mal das wir uns getroffen haben.
Andere Highlights diese Woche waren drei Lesungen, die ich diese Woche in Berlin stattfanden. Die erste Lesung war „Lesen im Quadrat“, Freitag folgte „Am Ende bleiben die Zedern“ und den Abschluss bildete am Samstag die Lesung von Sebastian Fitzek und Michael Tsokos - Best of - Eine Charity Lesung. Erst habe ich überlegt ob ich euch die Lesungen einzeln vorstelle, aber dann entschied ich mich doch dafür, sie euch alle in einem Beitrag vorzustellen und anstatt chronologisch vorzugehen, werde ich Plätze vergeben. Ich werde mit dem dritten Platz beginnen, meine größte Enttäuschung, welche ich so niemals erwartet hätte. 

 

Platz 3 ist bis jetzt eine der enttäuschendsten Lesungen, die ich ich bis heute erlebt habe. Weit abgeschlagen die Best-of-Charity-Lesung mit Sebastian Fitzek und Michael Tsokos. Angekündigt wurde die Lesung als: „Best of Fitzek und Tsokos

Der große Thriller-Charity-Abend“. Allein dieser Titel lies mich auf großes hoffen. Über Sebastian Fitzek muss ich nichts mehr sagen und Michael Tsokos ich nicht nur der führende Gerichtsmediziner hier in Berlin, sondern auch Autor verschiedenster Bücher, „Abgeschnitten“ hat er mit Fitzek zusammen geschrieben. Aber auch seine True-Crime-Trilogie schlägt hohe Wellen. Der Veranstaltungsort war das Steigenberger Hotel am Kanzleramt. Die Gelder gingen an den Deutschen Kinderverein Essen E. V., eingenommen wurden 5415 €. Wer hier aber eine
abendfüllende Veranstaltung erwartet hat, mit Überraschungen und Besonderheiten, (wie ich) wurde schwer enttäuscht. Die Lesung lief mit Mühe und Not 1,45 Stunden. Gleich zu Beginn nach dem beide Autoren die Bühne betreten haben, gab es die erste große Ernüchterung. Beide spulten wortwörtlich ihre Texte runter, wie sie sich kennen gelernt hatten. Mir bekannt aus der Abgeschnitten-Lesung von Lovelybooks oder auch auf die Frage wie Fitzek auf seine Ideen komme antwortet er wie bereits bekannt wortwörtlich aus verschiedensten Interviews. Auch die ein oder andere Anekdote ist bereits bekannt gewesen. Dieses machte das ganze einfach nur zu einer Massenabfertigung und hölzern. Die Location trug auch nicht grade zur Stimmungsverbesserung bei, ca 360 Leute in einem Seminarraum gestopft, der auch nicht sonderlich auf Thriller einstimmte. 

Leider habe ich auf eine etwas Besonderes gehofft, vokalem da die Karten 15 Euro relativ teuer waren. Die einzige Überraschung, Sebastian Fitzek hat aus dem Buch vorgelesen das im Oktober 2016 erscheint, „Das Paket“. Beide haben ihr Erstes Werk vorgestellt, ihr Gemeinsames und natürlich ihr Neustes bzw. Was noch erscheinen wird. Aber etwas positives gibt es doch noch zu sagen gerne würde ich mit noch einmal eine Lesung besuchen, vor allem nach dem ich die Leichenbilder zu „Zersetzt“ gesehen habe. Für mich steht fest: Ich werde mich immer mehr von Fitzek abwenden, da ich zunehmend das Gefühl habe von immer mehr Quantität anstatt Qualität.

So genug gejammert. Ich möchte euch die Silbermedaille vorstellen: „Lesen im Quadrat“ am Dienstag. Der Veranstaltungsort war die Saarländische Landesvertretung in Berlin. Wie der Titel vermuten lässt haben vier Autoren gelesen. Geführt wurde der Abend von Dr. Peter Kleis ehemaliger Chefredakteur des Saarländischen Rundfunks. Wie der Veranstaltungsort hergibt hat jeder der Gäste eine Verbindung zum Saarland Aber wer hat überhaupt gelesen? Der Anfang machte der Journalist Ramon Schack der eine Biografie über Peter Scholl-Latur geschrieben. Eingeführt wurde jede Lesung mit einem kleinem Interview. Der zweite Gast war der Seelsorger Stanislaus Klemm er hat ein Buch über das Zuhören verfasst-„Reden ist Silber - Hören ist Gold“. Leider hat sich dieser Beitrag etwas gezogen. Nach einer Pause, in der es ein leckeres Büfett gab, war die Krimiautorin Elke Schwab an der Reihe. Sie stellte, merklich etwas aufgeregt, ihr neues Buch „Tödliche Besessenheit“ vor. (Ein toller schwarzhumoriger Krimi.) Den krönenden Abschluss bildet der ehemalige Moderator von SR3 Bernhard Stigulinszky, dieser hat sehr hörenswert verschiedenste Lyrik vertont. Alles in allem war es ein absolut herzlicher und gelungener Abend, welchen ich gerne noch einmal wiederholen würde.

 

Meine Highlightlesung und somit verdienter 1. Platz *Trommelwirbel*: „Am Ende bleiben die Zedern“ von Pierre Jarawan in der Buchhandlung Ocelot (not just another Bookstore). Hier fand am Freitag die Premierenlesung des Romans statt. Und um ehrlich zu sein, ich bin allein von der Buchhandlung Ocelot schwerbegeistert, modern und trotzdem strahlt es eine absolute „Wohlfühlatmosphäre“ aus. Über den Hinterhof kommt man auch als Rollifahrer rein, man sollte sich vorher anmelden.
Aber die eigentliche Attraktion war ja die Lesung und ich muss sagen, sie hat mich vom ersten Moment abgeholt und nicht wieder los gelassen. Begonnen hat sie mit einer kurzen Rede des Lektoren dieses Buches, in der er erzählte, dass ihm schon nach den ersten Seiten bewusst war das es sie um eine großartige Geschichte handelt und das es ein gelungenes Buch werden wird. Zum Abschluss seiner Rede überreichte er Pierre Jarawan ein kleines Stück Zedernholz als Glücksbringer. Im ersten Moment dachte ich auch „Klar muss er das so sagen, der Berlin Verlag muss ja verkaufen“ Aber nach den ersten Zeilen war ich gefesselt und hatte bunte Bilder im Kopf. Unterstützt wurden diese Bilder von Dias, mit denen der Autor dem Zuhörer den Libanon näher bringt. In dem Buch geht es Ja um einen Mann der seinem Vater im Libanon sucht, der zwanzig Jahre zuvor spurlos verschwunden ist. Auf seiner Reise muss er den Libanon, von dem er als kleiner Junge erzählt bekommen hat, mit dem realen Libanon  übereinbringen. Genau dies versucht auch Pierre Jarawan mit seinen Fotos, sowie Erzählungen zu vermitteln… Untermalt wurde der Abend musikalisch von der Singer/Songwriterin Levi Pear. Die mit ihrer traumhaften Stimme zum Träumen einläd.
Zum Ende hatten die Zuhörer die Chance Fragen zu stellen, woraus sich eine sehr interessante Fragerunde entsponn. Diese machte wieder bewusst wie wichtig es ist die Hintergründe zu kennen, denn nur so werden Vorurteile aufgehoben.
Ein toller Abend mit einem interessanten Buch, schöner Musik, viel Wissen und fantastischen Menschen.
Meine nächste Lesung in der Buchhandlung Ocelot steht schon rot im Kalender.

 

Links zum Beitrag:
Sebastian Fitzek: Homepage
Michael Tsokos: Homepage
Lesung Lovelybooks: „Abgeschnitten
Ramon Schack: Homepage
Elke Schwab: Homepage
Berlin Verlag: „Am Ende bleiben die Zedern
Buchhandlung Ocelot: Homepage
Levi Pear: Musikerin
Tanja Neise: Homepage