Spinner von Benedict Wells

21.10.2016 16:34

Und schon wieder ein Wells, ich bin echt süchtig nach seinen Bücher und nerve jeden mit absoluten Leseempfehlungen. Heute möchte ich euch ‚Spinner‘ vorstellen und auch empfehlen. Diesen Roman hat er parallel zu seinen Debütroman ‚Becks letzter Sommer‘ geschrieben. Im September 2016 veröffentliche der Diogenes Verlag eine, vom Autor neu überarbeitete, Ausgabe. Das Buch hat 320 Seiten und ist als Taschenbuch erschienen.

 

Inhalt:
Jesper Lier ist mit 20 Jahren nach Berlin gezogen. Gleich nach dem Abitur und dem Wunsch seinen großen Roman zu schreiben. Nach einiger Zeit in der Hauptstadt entwickelt er immer mehr den Wunsch sein Leben auf die Reihe zu bekommen. Im Chaos von Berlin erlebt Jesper eine entscheidende Woche. Wird er es schaffen?

 

Meine Meinung:
Ich habe für ‚Spinner‘ wirklich lange gebraucht. Aber nicht weil es so mies war, sondern im Gegenteil es war so gut, dass ich es einfach nicht beenden wollte.
Selbst mit seinem Erstling schafft es der Autor einmal mehr mit Jesper Lier einen Protagonisten zu schaffen, der mir ab der ersten Zeile sehr nahe gegangen ist. Jesper, welcher vor seinem eigenen Leben fortläuft, könnte nicht besser in die große, graue, großstädtische Gleichgültigkeit Berlins passen. Dabei ist er nicht wirklich mittendrin, vielmehr ist eher ein Außenseiter, der aber sehr genau seine Umgebung und die Menschen um sich herum beobachtet. Der Außenseiterstandort spiegelt genau Jesper eigenes Leben wieder. Auch alle anderen Figuren spiegeln auf irgendeiner Art und Weise ein Stück Jesper Leben wieder, aber auch das prototypische Leben der Generation Y in der Hauptstadt wieder. Da gibt es Frank, der Kinderfreund von Jesper, der frisch nach Berlin kommt. Er ist ein typischer Berlinneuling, fasziniert von Allem und Jedem. Wie und warum er nach Berlin kommt, müsst ihr natürlich selber lesen. Der zweite Freund ist Gustav, Jesper bester Freund gegenwärtig in Berlin, er ist nicht auf Geld angewiesen. Aus diesem Grund kann er sein Leben einfach so leben wie er will, ob dies wirklich ein Segen ist erfahrt ihr im laufe der Handlung. Gustav symbolisiert alles das, was Jesper vielleicht gerne selber werden würde.
Alle Figuren, egal ob direkte Figuren, wie Jesper, Frank oder Gustav, oder alles indirekten Figuren, Personen aus Jesper Vergangenheit, die der Leser nur durch Erinnerungen kennen lernt, sind sehr vielschichtig mit Wendungen und Entwicklungen gespickt. Wer Berlin kennt, der wird bestätigen können, dass nichts aus der Luft gegriffen ist.
Die Handlung entwickelt sich zu Beginn eher ruhig und nimmt nur sehr langsam an Fahrt auf, dies lässt genug Raum um in Jesper emotionale Gedankenwelt blicken zu dürfen. Unterstützt wird dies durch die Ich-Perspektive in der, der Roman verfasst wurde. Die Geschichte wird im Rahmen einer 7-Tage-Woche erzählt und der Schreibstil ist flüssig.Absolut faszinierend fand, wie angepasst die Sprache an die einzelnen Begebenheiten ist ohne dabei konstruiert zu wirken.
Obwohl es sich bei diesem Buch um eine überarbeitete Ausgabe handelt, hat er das Feeling eines Erstlings nicht verloren, da gibt es noch den ein oder anderen Übergang, welcher etwas holprig ist. Dies ist mein einziger Kritikpunkt, der aber nicht weiter für mich ins Gewicht fällt.

 

‚Spinner‘ ist eine absolute Leseempfehlung, für ein Buch das ein Abbild schafft von einer Generation, die alle Möglichkeiten hat aber oft genug sehr Einsam ist. Selten hat mich ein Roman so emotional berührt.

 

Links zum Buch:
Diogenes Verlag: ‚Spinner
Genialokal: ‚Spinner
Rezension: ‚Becks letzter Sommer
Rezension: ‚Vom Ende der Einsamkeit