Vincent von Joey Goebel

09.06.2016 20:38

Jeder schwärmt von Joey Goebel, dem Punk-Musiker mit großem Schreibtalent, und alle schwärmen sie von seinem „Vincent“. Warum? - Das wollte ich nun endlich selbst herausfinden.

Der Roman ist als Hardcover, 2005 bei Diogenes erschienen. Wer das Buch neu kaufen möchte muss leider auf das Taschenbuch zurückgreifen.

 

Inhalt:
Alle bekannten Popsongs wurden von nur einem Künstler geschrieben. Seine beiden wichtigsten Eigenschaften Talent und eine unsagbare Traurigkeit. Damit ihm diese Traurigkeit nicht abhanden kommt, sorgen sogenannte Beschützer dafür, dass ihm immer wieder neues Unglück widerfährt. Kann ein trauriger Künstler trotzdem glücklich werden?

 

Meine Meinung:
Der Roman hat vieles worüber man schreiben kann. Ich gehe der Reihenfolge nach vor, wie es mir aufgefallen ist. So war ich doch auf den ersten Seiten verwundert, dass die Geschichte aus der Sicht von Vincent`s Beschützer Harlan erzählt wird. Dies wirft ein ganz eigenes besonderes Licht auf die Handlung. So lernt der Leser nur über Vincent, was dieser Harlan erzählt oder er selber miterlebt. Mir persönlich kam Vincent so nicht wirklich näher, sondern behielt das ganze Buch über  etwas marionettenhaftes bei. Das einzige was dem Leser die Figuren noch etwas näher bringt, sind die Gedanken und Gespräche die der Beschützer in Gedanken hinzufügt oder im Gespräch mit einer anderen Person erfährt. Harlan ist somit der Einzige den ich im Laufe des Romans sehr gut kennengelernt habe. typisch für die Charakterisierung, ist die Aufzählung von Lieblingsfilm, Lieblinsserie und Lieblingsband. Harlan ist ein Musiker, der es nicht geschafft, da er nicht in den Komerzmarkt passt. Dies ist auch seine Intension als Beschützer zu arbeiten, um so neue „echte“ Kunst zu schaffen. Er ist nicht wirklich skrupellos oder anders auffällig, er liebt halt Film und Musik. Manchmal dachte ich der Autor könnte sich ein kleinwenig selber in die Figur hinein geschrieben haben.
Was direkt beim ersten Aufschlagen des Buches auffällt, ist der sehr eigenwillige Aufmachung der Gliederung. Das Buch ist in mehrere Teile unterteilt, jeder Teil spaltet sich noch einmal in mehrere Frauennamen auf. Jeder Frauennamenteil ist in viele sehr kurze Kapitel, oft nicht länger als ein Absatz. Die Frauennamen sind an Stars und Sternchen angelehnt u. a. Rachel, Kristina oder Veronica. Jeder dieser Damen spielen natürlich im jeweiligen Teil eine mehr oder minder große Rolle.
Was das Buch sehr interessant macht sind die Einblicke in die Unterhaltungsbranche und die diversen Machenschaften. Das gibt viel Material zum Schmunzeln. Ein weiteres sehr wichtiges Thema in den Roman, die Verdummung der Bevölkerung und der immer schwächer werdende Sinn für Kunst. Natürlich wird der Leser so gefragt, darüber nachzudenken was „wirkliche Kunst“ ist.
Die Grundidee, ein Künstler wird nur genial, wenn ihm viel Leid widerfährt. So bis zur Mitte des Buches ist dies auch so, aber ab diesem Zeitpunkt wiederholt es sich etwas. Das Schicksal wird künstlich geschaffen, in dem Harlan dafür sorgt, das dem Künstler schlechte Dinge widerfahren, um genug Stoff für die Kunst zu haben. Allerdings kommt mir, der in jedem Buch wichtige Protagonist Leben mit seinem Kumpanen Zufall etwas zu kurz. Ich bin mir unschlüssig ab das stark konstruierte Gefüge gewollt ist oder beim Schreiben entstanden ist. Ich persönlich finde es zeitweise zu vorhersehbar.
Die Sprache in dem Buch ist sehr einfach gehalten. Wer nicht schon vorher weis, das der Autor Joey Goebel Sänger verschiedener Punk-Bands ist, dem wird dies bei dem Schreibstil schnell klar. Die Sprache ist typisch amerikanisch rotzig, mit sehr kurzen Sätzen. Leider konnte ich der Sprache nichts besonderes abgewinnen. Sie ist passend aber ich hätte viel mehr erwartet. Vor allem, wenn der Klappentext ankündigt, das Sprachelfen auf Joey Goebel Gehirn eingetrommelt haben.

„Vincent“ ist gutes, Buch mit einer sehr interessanten Geschichte. Die Umsetzung ist an manchen Stellen nicht ganz so gelungen ist, wie auch die Sprache. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen und werde bestimmt noch Weiteres von Joey Goebel lesen. Ich kann jedem das Buch empfehlen, der etwas über Künstler, Kunst und Seelenleid lesen möchte.

 

Links zum Buch:
Diogenes (Taschenbuch): „Vincent
Genialokal (Taschenbuch): „Vincent