Was ist ein Klassiker - Eine Spurensuche

15.05.2016 12:22

Hallo ihr lieben Leseratten,

irgendwie stand für mich diese Woche unter dem Motto, >>Diese Bücher sollte jeder gelesen haben<<. Solche und ähnlich gewichtige Sätze lassen viel Schüler im Deutschunterricht erschauern, aber auch so manches Auge vor Freude strahlen.

Aber wer bestimmt eigentlich was ein Klassiker ist?
1. Einer der wichtigsten Punkte scheint das Alter zu sein. Der gute Faust Teil 1 ist 1828/29, das erste mal in endgültiger Fassung abgedruckt wurden. Seit nun mehr 187 gerät der Dr. Faust und sein Bund mit dem Teufel nicht in Vergessenheit. Viele Schüler und Studenten hat er einiges an Mühe gekostet und dann gibt es noch Jene die vom Faustmythos nicht genug bekommen, sei es Thomas Mann mit seinem „Dr. Faustus“ oder grade ganz aktuell mit „Die Unglücksseligen“ von Thea Dorn.

2. Ein anderer charakteristische Punkt müssen wichtige Themen der Menschheitsgeschichte sein. Beim Faust das ewige Leben, aber manchmal geht es auch eine Nummer kleiner. So werden in Harper Lees Roman „Wer die Nachtigall stört“ fragen nach Recht und Unrecht gestellt, was ist menschlich und nach der Gleichheit aller Menschen. Oder der Autor Henry James beschäftigt sich mit Frauenrolle zu seiner Zeit und das durchaus sehr amüsant. John Irving stellt sich in seinen Romanen die Frage nach dem Gottkomplex des Menschen. Auch seine Bücher zählen schon jetzt zu den großen der Weltliteratur. Der Nerv der Zeit, scheint viel in unserem Leseverhalten mitzubestimmen.

3. Der Rechtsanwalt Atticus Finch ist in Amerika eine Art Superstar und das obwohl er eine 50 Jahre alte Romanfigur ist. Klassiker glänzen oft mit Figuren in denen sich der Leser hineinversetzen kann. Zum Beispiel Lizzie Bennet eine junge Frau, die sehr eigenwillig ist. Ihr Stolz versperrt ihr um einen Haar den Weg zu ihrem Traummann. Der Roman, der seit vielen Jahren für die Irrungen und Wirkungen der Liebe steht und Mister Darcy ist und bleibt der absolute Prinz für viele, auch wenn es nicht zu 100 % nachvollziehen kann. Für mich eine typische Klassische Romanfigur Oliver Twist, durch sein Weisenschicksal, rührt er an den Emotionen des Lesers. Ich muss sagen, das ich noch kein Werk der Weltliteratur gelesen habe, das nicht mit gut ausgearbeiteten Figuren arbeitet. Egal ob ich sie mochte oder nicht.
4. Wenn aber Heute ins Internet Sätze eingibt wie: „Klassiker, die man gelesen haben muss“, erscheinen sehr lange Listen mit manchmal sehr alten, aber auch vermehrt sehr neuen Büchern. So ist fast auf jeder Liste heute schon ein gewisser Zauberer zu finden, aber auch andere Autoren, die noch nicht alt, trocken und verstaubt sind tauchen in solchen Listen, unter anderem Julie Zeh, Carlos Ruiz Zafón oder auch schon gesichtet George R. R. Martin, dessen Bücher grade für die TV-Serie „Game of Thrones“ verfilmt wurde. Es scheint zu helfen, wenn viele Menschen ein bestimmtes Buch lesen um einen Klassikerstatus zu erhalten. Grausige Vorstellung, heißt ja dann auch das eine gewisse Erotikreihe, als wichtige Literatur gilt? Ich bin gespannt, wann ich die auf entsprechenden Listen entdecke.
5. Manchmal recht es auch schon, wenn eine bestimmte Person, ein bestimmtes Buch liest, dabei kann selbst diese Person fiktiv sein. Das bekannteste Beispiel ist sicherlich Rory, aus der TV-Serie „Gilmoregirls“. Rory hat immer und überall ein Buch dabei. Manche sind große Klassiker, andere sind weniger bekannt. Aber nach dem diese Bücher in der Serie aufgetaucht sind, konnte man sich sicher sein, das viele das gleiche Buch, wie ihre TV-Heldin lesen wollen. Es gibt sogar eine Liste, mit allen Büchern, die je in „Gilmoregirls“ erwähnt wurden. Aber auch heutige Autoren nutzen gerne diesen Kniff. So lässt zum Beispiel Stephanie Mayer ihre Bella in „Sturmhöhe“ von Emily Brontë lesen. Prompt bringt der Carlsen-Verlag eine neue sehr hübsche Auflage heraus. Andere Bücher bei denen mir das auch auffällt die Bücher: Alle Romane von Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald. Aber auch bekannte Literaturpreise und dazugehörige Kritiker tragen ein gutes Stück dazu bei. Man sieht also Werbung hilft auch enorm weiter

 

Was nun genau nun einen Klassiker zu einem Klassiker macht kann ich nicht sagen, es scheint eine Mischung aus allen Punkten zu sein und ist definitiv dem Wandel der Zeit unterlegen. Denn je nach gesellschaftsrelevanten Themen werden sich auch diese Weltliteraturlisten ändern, so werden immer neue dazu kommen und andere für eine zeitlang in Vergessenheit geraten, um im richtigen Moment wieder zu erblühen. Natürlich gilt auch hier jedes Buch hat seine Zeit. Aber eins haben alle gemeinsam egal, wie sie zu der Bezeichnung gekommen, sie erzählen alle Geschichten, die es wert sind gelesen zu werden. 

Und egal was alle sagen, ihr müsst selber für euch entscheiden, welches Buch ihr unbedingt lesen wollt, denn jeder nimmt etwas anderes aus jedem Buch mit. Alle erwähnten Bücher sind auch nur als Beispiele anzusehen, es gibt noch viel mehr… Und mal ganz ehrlich, manchmal ist Trivialliteratur auch ganz schön;-)

 

Links zum Beitrag:
Rezension: „Wer die Nachtigall stört
Rezension: „Eine Dame von Welt“ (Henry James)
Leseliste Rory Gilmore: Rory-Gilmore-Lesechallenge