Berlin wird zur Zeilenhauptstadt

Wo sind die ganzen Buchhandelsketten hin?

14.09.2015 17:14

Hallo ihr lieben Bücherfreunde,
in letzter Zeit ist mir ein durchaus weiterverbreitetes Phänomen aufgefallen. Wo zum Teufel sind die ganzen Buchhandelsketten hin? Man hat noch etwas Zeit und schlendert durch die Stadt und denkt sich war hier nicht mal eine bekannte große Filiale einer Buchhandlung, aber was ist das: der Laden existiert nicht mehr. Und das ist mir in letzter Zeit schon öfter passiert. Mir soll es dabei um die „Großen“ gehen, wenn eine bekannte kleine Buchhandlung schließt, dann ist zumindest in Berlin so mancher Aufschrei groß.
Immer mehr verschwinden ganze Ketten aus unseren Alltagsbild. Viele werden jetzt denken ja wir wissen das „Weltbild“ pleite ist, aber viele werden nicht wissen das „Weltbild“ nur die Filialen, teilweise weiter verkauft hat um sie unter anderen Namen als Buchhandelsfilialen weiter laufe zu lassen. Mit dem Ziel diese zu erhalten und die Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Leider ging dies nicht immer auf, so hatten die neuen Eigentümer wohl eher das Ziel, die Läden möglichst weit runter zu wirtschaften, um diese dann möglichst schnell weiter verkaufen zu können wahrscheinlich mit einigem Gewinn. Nicht nur „Weltbild“ schließt Deutschlandweit Standorte, sondern auch „Thalia“ und „Hugendubel“.
Ich frage mich was ist geschehen das die Riesen, die früher einmal die kleinen Läden plattgemacht haben, nach und nach von der Bildfläche verschwinden?
Der erste Gedanke der mir dabei in den Sinn kommt ist natürlich Amazon, aber trägt er wirklich allein die Hauptschuld? Vielmehr ist es doch die verpassten Chancen, dieser drei Ketten. Erst sich dem Ebook gegenüber verweigern, und dann auf den Zug aufspringen, als es schon fast zu spät ist. Das Sortiment wirkt gegenüber dem Internetriesen immer noch sehr überschaubar. Stehe ich in einem Laden bemerke ich kaum das sie auch Ebooks führen. Gut es gibt eine kleine Ecke in der Reader beworben werden, aber die dazu gehörigen Bücher direkt im Laden kaufen, zum Beispiel mit einer entsprechenden Codekarte - Fehlanzeige.
Ein weiteres Manko, das sehr vielen jungen Lesern auffällt, die ganzen Indikatoren und Autoren, die nicht bei den handelsüblichen Verlagen unter Vertrag sind, fehlen. Zwar kann man die meisten bestellen vor Ort, aber sind wir doch mal ehrlich wer macht das schon, wenn man sie auch bequem und schneller von Zuhause aus bestellen kann, vor allem wenn man weis, dass das gewünschte Buch nicht Vorort zu erhalten ist. Den der Reiz einer Buchhandlung, grade wenn es sich um Ketten mit oft großem Sortiment handelt, liegt doch darin das man alles anfassen und sofort mitnehmen kann.
Ein weiteres Problem sehe ich in der Konkurrenz zu den privatgeführten Buchläden, auch wenn leider immer mehr schließen, haben sie doch die Chance ihr Sortiment selbst zu bestimmen und durch Ideenreichtum Kunden anzulocken, sei es einfach nur eine persönliche und nette Beratung, in dem den Kunden so manches Buch näher gebracht wird. Oder so manche Buchhandlung hat einfach nur eine tolle Geschäftsidee, die entweder in eine Nische springt oder eine bestimmte Zielgruppe anspricht. Solche Buchläden sind es doch die zum verweilen und stöbern einladen. Wohingegen die Großen einfach nur unpersönlich und leider viel zu oft kramig sind. Der willige Kunde betritt eine Filiale und weis anhand der Einrichtung und Farben in welcher Kette er sich grade befindet, des Weiteren läd das Krimskramsüberschussangebot, oft nicht liebevoll präsentiert, nicht grade zum Verweilen ein. Der Kunde greift nur noch nach dem Objekt seiner Begierde, um den Laden fluchtartig wieder zu verlassen. Irgendwie kommt es doch einer Massenabfertigung gleich, was sehr deprimierend ist und kein Abenteuer wie erhofft. Natürlich gibt es auch hier wieder Ausnahmen. Warum gibt es eigentlich keine spezialisierten Läden in den Ketten?
Meiner Meinung nach sind es nicht die kleinen Buchläden, die als erstes vom bösen Onlinehandel geschluckt werden, sondern mit großer Sicherheit die Ketten, die sich zu lange ihrer Position sicher waren.

 

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