Zwei Bücher - Ein Thema

06.10.2016 15:45

Ich möchte euch in zwei kurze Rezensionen zwei Romane vorstellen, welche sich Beide dem Thema Flüchtlingsproblematik auseinandersetzen. 

Zum Einem habe ich„ Erschlagt die Armen“ von• Shumona Sinha, mit 128 Seiten ist der Roman ein schmales Bändchen. Erschienen ist er im Edition Nautilus Verlag im August 2015 und hat den internationalen Literaturpreis 2016 gewonnen.

Der zweite Roman, welchen ich hier rezensieren möchte ist ‚Ohrfeige‘ von Abbas Khider, dieses Buch ist im Februar 2016 im Hanser Verlag erschienen und ist mit 224 Seiten etwas dicker.

Ich möchte mit ‚Erschlagt die Armen‘ von Shumona Sinha beginnen.

Inhalt:

Der skandalöse Roman über die unhaltbaren Zustände in der Asylpolitik Frankreichs. Aus der Sicht einer Frau die zwischen den Stühlen sitzt.

 

Meine Meinung:

Mich wundert es immer noch wie wenig mir diese Lektüre gefallen hat.
Der Erzählstil ist sehr verwirrend, oft erinnerte er mich persönlich etwas an Lyrik, dies liegt wohl daran das Shumona Sinha schon früher Gedichtbände veröffentlicht hat. Das ganze gab dem Buch etwas sehr verwirrendes, was durch die absolut nicht chronologische Erzählweise nur noch verstärkt wurde. Oft wusste ich gar nicht in welchem Handlungsstrang ich mich grade befinde. Um das Ganze noch mehr zu verkomplizieren werden verschiedene Schwerpunkte angerissen, unter anderem die Stellung der Frau in der (französischen) Gesellschaft oder auch Homosexualität, aber  auch die Rangfolge von Angestellten in Arbeitsstellen, neben dem großen Thema Asylpolitik und die Gründe der Geflüchteten ihr Heimatland zu verlassen. Leider waren es zu wenig Seiten für soviel Themen, dies hatte zur Folge, dass die eigentliche Idee viel zu kurz kam.
Trotz all den Kritikpunkten gab es die ein oder andere Geschichte, welche von Geflüchteten erzählt wurde und mir einigermaßen gefiel. Das kann man sich wie einzelne Filmszenen vorstellen , die gut sind, aber den gesamten Film nicht wirklich besser machen. Genauso ging es mir mit ‚Erschlagt die Armen‘.
Ich persönlich würde das Buch nicht wirklich empfehlen. Wer aber trotzdem neugierig ist, der sollte sich auf eine lyrische Sprach und verwirrende Handlungsstränge einstellen.

 

Ich komme nun zum zweiten Roman ‚Ohrfeige‘ von Abbas Khider.

Inhalt:
Karim betritt die Ausländerbehörde in Bayern um seiner Sachbearbeiterin eine Ohrfeige zu geben, sie zu fesseln und ihr seine wahre Geschichte zu erzählen…

Meine Meinung:
Die Sprache von Abbas Khider ist direkt, sachlich und sarkastisch, trotzdem hat sie mich mitten ins Mark getroffen.
Mit seinem Protagonisten Karim hat der Autor eine Figur geschaffen,die dem Leser das Seelenleben eines Geflüchteten näher bringt ohne dabei etwas zu beschönigen.
Der Leser begleitet Karim, wenn auch nicht immer ganz chronologisch, durch den den deutschen Alltag eines Geflüchteten, der lernen muss sich mit Kniffen und Tricks im Behördendschungel zu recht zu finden.
In kurzen Schlaglichtern erfahren wir auch wie Karim´s Leben vor der Flucht ausgesehen hat, was ihn zur Flucht aus dem Irak bewegt hat und wie er sich sein neues Leben erträumt hatte. Ein Buch das trotz seiner immer wieder aktuellen Thematik nichts an Humor und Staunen, aber auch dem wohl bekannten deutschem Behörden Starsinn einbüßt ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren.
Was Abbas Khider wohl dadurch schafft in dem er seine eigenen Erfahrungen als politischer Flüchtling zu Grunde legt. Trotzdem ist der Roman nicht biografisch, vielmehr gibt er denen eine Stimme die in unserer Gesellschaft gerne überhört werden. Wär jetzt denkt das Ohrfeige, wieder ein ‚Gut-Menschen-Buch‘ ist, der irrt gewaltig. Die sogenannte ‚Vorurteile‘ kommen hier auch zu Wort, aber sie werden nicht ausgenutzt, sondern viel mehr wird erklärt wird, warum es dazu kommt. Aus diesem Grund gibt es auch nicht wirklich eine Verallgemeinerung, sondern alle Figuren bleiben Individuen.
‚Ohrfeige‘ ist ein Roman, welchen ich vor allem Skeptikern und Deutschlandfanatikern zum Lesen geben möchte. Der Roman der es definitiv wert ist gelesen zu werden. 

Mit ‚Erschlagt die Armen‘ hatte ich eine Lektüre, welche mich kaum bis gar nicht von sich überzeugen konnte. Dafür hat mich ‚Ohrfeige‘ total begeistern können.

 

 

Links zu den Büchern:
Edition Nautilus: ‚Erschlagt die Armen
Genialokal: ‚Erschlagt die Armen
Hanser Verlag: ‚Ohrfeige
Genialokal: ‚Ohrfeige